Dienstag, 18. Dezember 2007

...aber muss das so sein?

Jeden Abend näh ich mir mit Nadel und Faden die Hände ganz, die am nächsten Morgen doch wieder zerfetzen. Auf dem Klo hol ich mir meine tägliche Dosis Blasenentzündung. In meinem Bett klirren beim Umdrehen die Eiszapfen. Der weiße Klumpen im Müsli ist Milch. Bevor ich mich morgens aufs Fahrrad zerbel, pack ich meine Lunge dick in Zeitungspapier ein und leg sie in den Fahrradkorb. Die wird erst nach dem Absteigen wieder eingesetzt. Im Kurs kommunizier ich nur noch telepathisch. Die Studenten begrüßen das, Fachfragen werden per intensiven Ausatmens gestellt, was sich also durch kleine weiße Dampfwolken vor den Mündern bemerkbar macht. (Kommen nicht viele Fachfragen.) Porto, Grog und die paar nötigen Lebensmittel lass ich mir per Lieferservice kommen. Meist sehen die Jungs aus wie Astronauten in ihren Wattekluften. Ja, so ist das hier. Zimmlich ruhig irgendwie.

Samstag, 15. Dezember 2007

Genau, Truffaut.

Es ist wirklich der schönste Film der Welt. Also, vielleicht. Hab ja noch nicht alle gesehen. Aber wenn Truffaut behauptet, Murnaus „Sunrise“ (1927) sei es, dann zuckt’s grad automatisch im Halswirbel und provoziert euphorisches Kopfnicken und anbei Augenklimpern. Ganz selig klapper’ ich nämlich grad aus dem Kino, wo es heute Abend den Stummfilm „Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen“ (deutscher Titel) mit live-Vertonung gab: gelassen strickten Trompete, Schlagzeug, Xylophon, Gitarre und Kontrabass neben der Leinwand einen kleinen weichen Klangteppich, auf dem sich dann äußerst attraktiv der Gesang räkelte. (Eddie Vedders kleiner intellektueller Bruder?) Na jedenfalls hüpft das Herz. Und keine Sekunde zuviel.

Dienstag, 11. Dezember 2007

...die schönste psychologin?

ist missverständnis!

Zé do Rock kommt morgen nach Nantes und gibt eine Sprach- und Literaturshow. Hier ein Auszug aus seinem echt beknackten Wörterbuch:

dilemma = andere schreibweise für kleine schafe
erdkunde = landkäufer
fassade = nie wieder saufen
feldherr = mann auf der wiese
geistesabwesenheit = gespenstermangel
golfstrom = deutsche autobahn
insekt = modischer schaumwein
pomade = arschwurm
grüner star = Joschka Fischer
katastrophe = reim nach dem saufen
stereotyp = kerl der auf beiden seiten hört
taifun = spass in Bangkok
ungar = roh
willkommen = kommt aber nicht

Sonntag, 9. Dezember 2007

Synapsenkonfetti am 2. Advent.

Also. Hier in Nantes muss frau sich ja irgendwie klar machen, dass Adventszeit ist, gerät ja leicht aus dem Blickfeld ohne Adventskalender, ohne Glühwein (Glühwein mit Anis-Geschmack ist kein Glühwein) und ohne Muttis Weihnachtsdekoparade im Fenster. Also ... was machen?
Was machen! Im weltweiten Netz ... es ist ja unglaublich. Unter anderem bin auf dieses hier gestoßen. Wenn man sich die Ohren zu hält und die dicke Ente mit sechziger-Jahre Frisur wegdenkt (bisschen Geduld!), geht’s.

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Mrs Ratcliffe’s Revolution

Nee, nee, die Leslee Udwin. Da verkündet sie heiter, das britische Kino sei tot. Und das auch noch feierlich zum Eröffnungsfilm des britischen Filmfestivals. Die Briten, ey. Sehr gewaltig ist sie, die auch Fish&Chips gemacht hat und noch einen weiteren Film machen wird, denn ist Schluss. Ihr aktueller ist jedenfalls sehr schön anzuschauen: spritzig, witzig und um die Ecke schielt die DDR und zwar so unaufdringlich und leicht, wie wir es schon lange auf Leinwänden vermisst haben. (Also ich zum Beispiel.) Unschlagbar: Katharina Thalbach. Wie erfrischend bei diesem fiesen Regenpiesel!

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Nicht vergessen:

Buch schreiben über Mimik und Gestik von Studenten, die sich während der Prüfung beim Abschreiben ertappt fühlen und das dann mit allen Mitteln zu vertuschen versuchen (angestrengtes Nachdenktheater.)
(empirisch wär irgendwie gut.)

Samstag, 1. Dezember 2007

Ohropax, Metallica, Durchzug.

Und aus unserer Rubrik "Weihnachtslieder, die wir schon vor dem 1. Advent nicht mehr ertragen" heute Titel Nummer eins auf der Abschussliste. Ungeschlagen. Für die Ewigkeit. Hüte sich ein jeder, rette sich wer kann.