Sonntag, 21. Dezember 2008

Let’s go Wintermärchen.

Es wird auch Zeit. Nach dem Konsumterror der letzten Wochen sind Nantes’ Straßen jetzt wie leergefegt. Kein Plingpling mehr zu sehen, kein Tirili mehr zu hören. Alle Freunde haben sich bereits verabschiedet und auch mein Sack ist inzwischen gepackt.
Tschüß Jahr! Diesmal werden wir Dir in Norwegen Beine machen, mit Schneeballschlachten und einer Armee aus Schneemännern und -frauen. Schön war’s: drei Reisen, drei Besucher, drei Konzerte und sechsmal Herzklopfen. Und nun ab zu Mutti und der pompösesten Weihnachtsdekoparade, die ein einzelnes Fensterbrett je zu Gesicht bekommen hat. Weh dem, der keine Heimat hat. Nämlich, wie soll denn der verstehen, warum Erntge so debil grinst bei .... sowas!
Euch allen frohe Feiertage!

Samstag, 20. Dezember 2008

Kinder der digitalen Revolution.

Vom Weihnachtsmann hat sich das Neffengetier dieses Jahr eine Xbox360 gewünscht. Kriegen wird er ein Memory-Spiel mit Fotos von Tieren. Löwe, Gorilla, Zebra und so. Beste Aussichten also auf eine schöne Bescherung.
Xbox360... was ist das überhaupt! Auf Wikipedia preschen mir eine Millionen technische Daten entgegen: Unified Shader-Architektur (jede Pipeline kann Pixel und Vertex-Shader ausführen). Hä? Bei der Verwendung eines VGA-Kabels können keine emulierten Spiele mit 50 Hertz abgespielt werden, sondern nur NTSC-Spiele mit 60 Hertz. Bitte? Anti-Aliasing-Fähigkeiten der Xbox 360? - was soll denn das!
Noch schwindliger wird mir beim Anblick der „erklärenden“ Grafiken. Immer mehr Fragen als Antworten. Ich verstehe nur Bahnhof: was bin ich nur für eine blöde Tante! Hölle! Wie früher, als man für diese steile pinke Anziehpüppi gestorben wär, aber von der doofen Tante doch nur den grauen Kratzpulli bekommen hat.
Der Abgrund tut sich auf: ist das schon der Generationskonflikt? Lebe ich an der Realität vorbei mit meinen schrulligen Filmen aus Ländern, die nicht mehr existieren? Mit meiner blöden Musike, die schon früher keiner kannte und für die sich heute erst recht keiner interessiert?
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich werde dieses analoge Memory-Spiel an den Neffen bringen! Alles werd ich geben und nicht etwa darüber nachdenken, worüber ich mich in 10 Jahren mit ihm unterhalten werde.

Dienstag, 16. Dezember 2008

Die Hand, bitte.

Liebe Brigitte, lieber Philippe.

Gestern hat es mir die Dame in der Agentur gesagt. Unter vier Augen. Ihre fiebrig, meine wütend. Ok, so ist es nun also. Was soll man sagen, was kann man machen. Trick 17 wäre ja akut Glühwein trinken gehen, aber das Flanieren durch Klingeling und Plingpling wird Euch nun bestimmt schmerzlich sein. Macht es doch nur allzu deutlich, wie wichtig uns Familie und Zweisamkeit zu sein haben. Und Ihr seid jetzt zweimal Eins und nicht mehr Zwei. Geht ja auch ok, eigentlich, die Supermärkte bieten einen ganzen bunten Strauß an schillernden Angeboten für Singlehaushalte, mensch seid Ihr jetzt Zielgruppe! Das ist doch was! Da kann man doch!

Eigentlich könnte es mir ja komplett egal sein, dass Ihr Euch getrennt habt. So richtig kenn ich Euch ja auch gar nicht. Nun ist es aber so, dass ... wie sag ich’s... kennt Ihr den mit China und dem Sack Reis? Dass alles immer Folgen hat? Also... die Sache scheint für Euch abgeschlossen, das ist ja auch gut irgendwie, denn es muss ja weitergehen. Nun ist es aber so... also wenn Ihr mal scharf nachdenkt, dann erinnert Ihr Euch bestimmt an dieses muchtige Haus, das Ihr mal zusammen gekauft habt. Ja? Richtig, Nähe Erdre, Saint-Donatien und so.

Also da wohn ich drin, ganz oben unterm Dach. Und auch wenn Ihr grad andere Sachen im Kopf habt: es läuft nicht so gut... eher suboptimal, also... es regnet. In der Wohnung. Im Bad. Aus dem verschimmelten Holzbalken. Der nämlich ständig und verquollen unter Wasser steht, weil’s aus dem Velux tropft. Anfangs ging’s, da tropfte es minütlich ins Waschbecken, ganz easy. Inzwischen tropft’s aber sekündlich überall hin, nur nicht ins Waschbecken. Und ich hab nun mächtig Stress mit dem Platzieren der Schüsseln andauernd. Das nervt.
Die Spüle auch, irgendwie nich original wie das Wasser überall raustropft, nur nicht aus dem Wasserhahn. (Unter uns, es fehlt mir eigentlich auch an Schüsseln.)
Von den anderen Fenstern will ich nicht schon wieder anfangen... das wisst Ihr ja, dass „Fenster“ hier Euphemismus ist. Versprechen soll man ja eigentlich halten, aber ey, für nur 400€ Miete im Monat sitz ich auch gern in fünf Klamottenschichten im Poengsessel. Und versuch zu lesen. Was angenehmer wäre, wenn mir nicht so die Haare vom Wind flattern würden, leider hält auch keine Kerze durch, so pfeift’s. Ach, hatte ich erzählt, dass ich im Schlafzimmer sehen kann, wie ich atme?

Kurz und gut. Ihr seid nicht mehr zusammen. Euch ist grad nichts egaler als diese gemeinsame Altlast, die Ihr nicht mit in Euer neues Leben wuchten möchtet. Deshalb ignoriert Ihr auch seit Monaten meine Beschwerdebriefe. Ein bisschen versteh ich das ja. Aber Eure gemeinsame Altlast ist nun mal mein Zuhause und die Agentur kann nix ohne Euer Einverständnis machen. Und Verbraucherschutz und Tribunal.... na ja, ich hab da diese Retrospektive laufen und eigentlich keine Zeit dafür und für Euch wäre das ja auch eher stressig. Also: mir zuliebe, gebt Euch die Hand und macht mal was, ja?

Sonntag, 14. Dezember 2008

Schoki statt Schinken.

Ja. Auch hier. Nantes hat einen Weihnachtsmarkt. Auf dem waren wir und haben mit Entzücken festgestellt, dass der Glühwein auf der Place Royale eben nicht nach Anis schmeckt. Deshalb gab's davon auch gleich mehrere. Einziger Trost auch, wie soll man sonst die Reiseberichte derer ertragen, die grad durch die Karibik schippern oder sich an den Stränden Cambodias aalen? Im Bikini?? Eben. Klirrt’s draußen, muss von innen durchgeglüht werden. Das ganz einfach. Übrigens geht Weihnachtsmarkt hier sehr gesittet zu, kein Kid schmeißt Vorsilvesterböller unter Muttis Rock und erbitterte Meterbratwurstkämpfe sucht man hier vergebens. Naja. Mein Favorit des Abends war auf jeden Fall ... jaja, längst erraten ...
Aber echt ey, guckt doch man hin!

Samstag, 6. Dezember 2008

schaffbar, machbar, los!

Erntgo ist wieder da! Hatte sich ja leicht ausknocken lassen vom Arschloch Fiebervirus und war kurz abgetaucht. Aber nun, vorbei vorbei, Erntmaschin is wieder busy. Und gleich total ausgebucht. Wie das geht! Für alle, die es noch nicht wissen: wir planen hier das ganz große Ding. Kein Scheiß. Nantes wird einen Kultur-Januar erleben, der an Schmackig- und Fetzigkeit vergeblich seinesgleichen suchen wird. Es ist der helle Wahnsinn. Wirklich. Seit März basteln wir nun schon und binden Schleifchen. Eine DEFA-Retrospektive soll es werden. - Wird's. Es ist tatsächlich ein Projekt zum Verlieben und ich sag Euch auch warum:
1. Es ist unsers! Unsere Verantwortung, unsere Ideen, unsere Energien, unser Fleiß, unsere zuen Wochenenden, unser Ärger, unser Herzblut steckt da drin. Was selbst auf die Beine zu stellen, das ist überhaupt der Oberknüller.
2. Man glaubt an uns. Europäische Union und Deutsche Botschaft, die Uni und die Stadt Nantes glauben doch echt an unsere Idee und haben uns ganz feierlich einen Koffer voller Scheine überreicht. Echte. Ganz große Augen!
3. Wir haben Verbündete. Unsere Kumpels sind nämlich überhaupt die besten. Und die können alle so schöne Sachen! Über Ideologie und Subversives in DEFA-Märchenfilmen reden, zum Beispiel. Oder professionell Pressecommuniquées schreiben. Oder Fotos machen und entwickeln. Oder Webseiten bauen. Oder dolmetschen. Das Tollste: die meisten konnten wir unterbringen im Projekt, sogar für Geld.
4. Wir machen Sinn. Weil wir gelernt haben, dass es nicht nur gut ist, zu machen, sondern auch Machbares weiterzugeben, geben wir also alles was wir wissen weiter. An Kulturmanagement-Studenten der Universität. Die lernen nämlich zeitgleich in Ateliers und Workshops, wie man Fotos, Flyer und Webseiten macht und effektiv nutzt, wie man mit Journalisten kommuniziert und am Ende selbst so ein Kulturprojekt auf die Beine stellen kann. Transparenz finden wir nämlich total wichtig. Und die Studis finden das gut und aktualisieren uns zum Ausgleich französische Untertitel von zwei Filmen, deren französische Untertitel dringend aktualisiert werden müssen. Unter professioneller Anleitung einer Traductologie-Spezialistin, versteht sich. Netzwerke sind super.
5. Alle machen mit. So haben wir also ein Programm von 10 DEFA-Filmen zusammengestellt, die vom 7.-25. Januar 2009 im angesagtesten Kino Nantes' gezeigt werden. Alle sind begeistert. So kommt's, dass fast jede Projektion von einer Intervention begleitet werden wird! Der Historiker Cyril BUFFET (hat übrigens letztes Jahr ein Buch zur DEFA-Geschichte veröffentlicht: Défunte DEFA - L'autre cinéma allemand) und Caroline MOINE (DEFA-Spezialistin und Expertin für Dokumentarfilm) werden kommen und uns und dem Publikum Rede und Antwort stehen zu Zensur, Kahlschlagplenum, Frauenrolle und Antifaschismus in der DEFA-Produktion. Das ist fantastisch! Zudem kommen Peter Kahane, Thomas Plenert und (wenn er dann noch lebt) Jürgen Böttcher alias Strawalde. Die über ihre Zeit bei der DEFA sprechen werden, Zeitzeugen zum Anfassen.
6. Wir sind berühmt. Da melden sich nämlich plötzlich Leute, die gern ein Praktikum bei uns machen möchten. Wow! Woher wissen die?
Und deswegen ist Erntgo busy: Hüftaufschwung aufs Fahrrad jetzt also und ab zum Praktikantenbriefing, ja so heißt das. Natürlich lecker beim Apéro, sind ja schließlich in Frankreich! Die nächsten Wochen werden fliegen und es gibt ja kaum Schöneres als verdiente Ferien zu Weihnachten. Yeah!

Montag, 1. Dezember 2008

Und in Italien:

"Die italienische Linke ist tot.
Mausetot.
Miau.
Die Strassen sind voller Kapitalismus, Geldverdienen und zeigen, dass man es hat, ist an jeder Strassenecke die Devise. Nein, links ist hier bloss noch der Knopf an den Armani-Frauenhosen..."

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Aus unserer Reihe "Andere habens auch nicht leicht" heute der Auszug eines Berichts des besten Erasmusstudenten wo gibt: Jensi. Zur Erinnerung: Jensi bestritt sein Erasmusjahrzehnt mit Hilfe von ECTS-Punkten für gemeinsames Joggen an der Erdre, mischte allesamten französischen Ausspracheregeln auf, monologisierte bevorzugt im Stehen, improvisierte auch da, wo es nicht ging. Junge, komm bald wieder.

Sonntag, 30. November 2008

fiep und röchel und rotz.

Das Dööfste am Kranksein:
Wehtum. Isolation. Mattität. (Eine Idee davon wie der frisch gemahlene Kaffee da riecht, ja. Lust welchen zu trinken, nein. Ohne Sinne sinnfrei.)

Das Tollste am Kranksein:
Scheiß auf die Frisur. 17 Stunden durchschlafen und Fieberträume (und Ihr wart alle mit dabei.) Zeit für Zeitung und Vorfreude auf Besserung.

Sonntag, 23. November 2008

War's Heraklit?

Alles zusammen. Todmüde und hellwach, gealtert und jung, juchzen dann seufzen dann juchzen dann seufzen. Und das geht so noch ein Weilchen. Himmel weint, Sonne scheint. Inneres ist ausgepackt, Äußeres wird eingepackt. Noch da und doch schon weg.
Schwitters tröstet, denn:

Fliegen haben kurze Beine.
Eile ist des Witzes Weile.
Rote Himbeeren sind rot.
Das Ende ist der Anfang jeden Endes.
Der Anfang ist das Ende jeden Anfangs.
Banalität ist jeden Bürgers Zier.
Das Bürgertum ist aller Bürger Anfang.
Bürger haben kurze Fliegen.
Würze ist des Witzes Kürze.
Jede Frau hat eine Schürze.
Jeder Anfang hat sein Ende.
Die Welt ist voll von klugen Leuten.
Kluge ist dumm.
Nicht alles, was man Expressionismus nennt, ist Ausdruckskunst.
Kluge ist immer noch dumm.
Dumme ist klug.
Kluge bleibt dumm.

(Kurt Schwitters, Banalitäten aus dem Chinesischen.)

Donnerstag, 13. November 2008

Endlich.

Nun habe ich sie also. Die Erlaubnis, Studenten aufgrund akuten Dilettantismus aus dem Kurs zu schmeißen: gabs heute nämlich eine offizielle demande d'être attentif à d'éventuelles dérives se traduisant par un manque de respect (assoupissement ostentatoire, tenue vestimentaire inacceptable, dilettantisme, distribution en cours de confiseries, pâtisseries ou boissons...).
Wunderbares Nantes.

Mittwoch, 5. November 2008

Die Lösung.

Für die Permanentverpeilten. Für die mal durch den Wind sind. Für die Spontanen. Für die akut Mittellosen. Für die chronisch Geizigen. Für die leidenschaftlichen sncf-Hasser. Für die ohne Angst vor Augenkrebs. Aufgepasst: es gibt die Lösung für alle.
Hast du dich mal geirrt beim Ticketkauf, etwa aus Trunkenheit, Stress oder generellem diesseitigem Handicap, geh auf die Seite trocdesprems und verscherbel Deine Fehlkäufe. Das bringt Guthaben für Neues und hilft allen oben Genannten. Wer nur Bahnhof versteht hat alles richtig gemacht.

le troc = der Tauschhandel
les prem's = billige Zugtickets.

Sonntag, 2. November 2008

Être à Caen, ce n’est pas con.

Weil: Da kann man bei Sonnenschein ans Meer fahren. Muscheln essen. Und gucken wie es rauscht. (Oder es bei denen gerauscht haben muss, die in Ouistreham Zweite-Weltkrieg-Motive für ihr Postkartengeschäft ausgesucht haben.) In Caen gibt’s mitten auf dem Markt diese echte Ziege und zwar genau neben dem Mann, der seine durchsichtigen zappelnden Crevetten bebrüllt. In Caen kann man aber auch im fiesen Nieselpiesel testen, wie viel Schokolade in einen Magen und wie viele Filme in ein Gehirn passen. Da enden Raclette-Abende im Karaokedesaster und alle Sehenswürdigkeiten der Stadt schafft man in einer Stunde: Damenabtei (Ladies first), Herrenabtei und das Chateau von William dem Eroberer. In Caen wohnt jetzt meine Herzhafte und bei der bin ich immer entzückt wie Lol V. Stein. Mindestens. Ey und das Licht! Das Licht!

Donnerstag, 23. Oktober 2008

VEGA Großgeldprinzessin.

Die gealterte Großgeldprinzessin Suzanne Vega stellt sich auf die Bühne des Onyx-Würfels und singt mit einer Stimme, die unverändert, ungealtert scheint. Einen Stadtpiraten hat sie dabei und der trägt gelackte Krokdilslederschuhe. Was sie singt ist alt und neu und leicht und jeder Ton kommt Erntge bekannt vor. Suzanne Vega, das ist lange her. Das ist...
Da ließ man sich noch leicht packen, da reichten drei Gitarrennoten und Texte über das ganz große Gefühl. Das war vor dem Progressiven, vor psychedelisch, vor kompliziert, vor ernüchtert, vor skeptisch - das ist lange her. Von ganz fern kommen sie wieder, die Bilder einer heilen Welt, als wir noch fett und rosig waren und noch nicht auf der Hut.
Suzanne Vega ist nicht Tanita Tikaram. Um trotzdem hat Erntge das ganze Konzert über genau die im Kopf. Wieso? Selbe Zeit? Selbe Sprache? Selbe Texte? Selbes Tembre? Genauso weit weg?
Erntge glaubt nicht mehr an Engel, die Bank ist leer.
Auf der Rückfahrt mit dem fremden Mann gibt es Thom Yorke im Radio und Erntge weiß nicht, warum sie das so ungemein beruhigt.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Kofler sehen und Schnaps.

Werner Kofler ist schwer. Werner Kofler versteht man nicht. Wer sich ehrlich bemüht, versteht Werner Kofler ein bisschen. Sein Sprechstück „Tanzcafé Treblinka“, unerhört komplex und erschütternd, geht direkt von den Ohren in den Magen. Der Autor las selbst. Heute Abend im Universitätstheater.
Das Stück ist ein Doppelmonolog, A erinnert sich an die Nazizeit (und die prominente Rolle diverser derzeit hochrangiger Kärtner in Polen), B will von all dem nichts gewusst haben. Nichts mehr wissen wollen. „Aktion Reinhardt?“ – „Beachvolleyball!“.
Es geht also um Nichtwissen. Um Erinnern und Vergessen. Um Nichtwahrhabenwollen. Das ewige Thema ganz neu. Mit einfachen Sätzen, die eine höchst komplexe Welt erklären, scheint Kofler die Quadratur des Kreises gelungen. Zur Uraufführung des Stücks 2001 hat sich übrigens kein einziger offizieller Kärntner Politiker sehen lassen. Nagut, einer von den Grünen war wohl da.
„Tanzcafé Treblinka“ war ein Auftragswerk des Stadttheaters Klagenfurt. Wie es wohl ist, wenn Kofler erst eigens und frei schreibt? Wie viele Bedeutungen gehen in ein Wort? In zwei?
Werner Kofler hat uns versprochen, morgen zu unserem Theaterkurs zu kommen und nach angenehmen Frühstück mit den Studenten an Auszügen des Stücks zu arbeiten. Wir werden sehen ob der König das Versprochene hält.
Hier und da weiterlesen.

Montag, 20. Oktober 2008

Tipp der Woche.

...einfach mal alles umkrempeln. Bei sich zu Hause zum Beispiel. Am besten macht sich das des nachts, wenn sowieso nicht mehr klar ist, wo Realität aufhört und Surrealität anfängt. Idealerweise zwischen zwei und vier.
Bücher, Regale, Drucker, Musikanlage, Schreibtisch, Matratze, Schnickschnack und Klimbim: alles raus und am besten so ineffizient wie möglich im Raum verteilen. Alle Stecker ziehen. Mindestens eine Grünpflanze sollte dabei umkippen. Sich wieder finden im Chaos. Da man sich vor Kram ringsumher eh nicht mehr bewegen kann, am besten hinsetzen, Wein trinken und zu Pink Floyds Relics eine Zigarette rauchen:

Arnold Layne had a strange hobby
Collecting clothes
Moonshine washing line.
They suit him fine.


Und noch einen Schluck.

Emily tries but misunderstands.
She’s often inclined to borrow somebody’s dreams till tomorrow.
There is no other day.
Let’s try it another way.
You’ll lose your mind and play...


Sich nun an die Neugestaltung machen. Jedes Schmuck- und Prachtstück in jeder möglichen Position und Kombination neu anordnen, bitte. Begleitet werden sollte dieser Prozess unbedingt von einem gewissen, rapide einsetzenden Verdruss, da natürlich nix klappen will. Es sollte ein ehrlicher und tiefer Verdruss sein, garniert mit einer Prise Wut. Diese sollte mitschwingen und sich auch vom steigenden Alkoholspiegel im Blut nicht einschüchtern lassen.

...Why can’t we play today?
Why can’t we stay that way?...

Wenn genug blaue Knie vorhanden sind und über genügend Kabel gestolpert wurde, sollte man ohne schlechtes Gewissen feststellen, dass man, betrunken wie man ist, nicht mehr viel reißen wird und ins Bett gehen. Advanced learners träumen dann Flugszenarien, das kann sehr erquicklich sein.
Für den nächsten Morgen sollte genügend Kaffee bereit gestellt werden, um über den Schock des Anblicks der Wohnung hinwegzuhelfen. Hat man dann jedes einzelne Möbelstück und auch das letzte Buch wieder an seinen ursprünglichen Platz gebracht, besteht Anlass zu Jubel, Trubel und Heiterkeit. Sie werden staunen!
(The Nile Song, baby!)

Freitag, 10. Oktober 2008

Autopilot.

Startsignal. An.
Dreimal snooze. Und hoch.
Zähne zuerst, Rest Dusche.
Müsli - Tee - Überschriften scannen.
Raus. Fahrrad. Grün. Rot. Brücke.
Berg hoch. Und rein. (In time.)
Tach Sie!, Tach du!, Hallo!, Na?, Na denn.
Kurs 1, Kurs 2, Kurs 3, Kurs 4.
Kaffee: Jaja, achja, mhm, ganz recht.
Kurs 5, Kurs 6.
Fahrrad. Berg runter. Brücke. Rot. Grün.
Mahlzeit.
Vorbereitung Kurs 7, 8, 9.
Bett.
Startsignal programmieren.
Aus.

Montag, 29. September 2008

Ihm ist es egal, aber...

...Kleider machen Leute. Das ist so. Das haben wir seit 1874 schwarz auf weiß und nur Narren oder Hochstapler behaupten von sich, jedem Menschen gleich neutral und gleich politisch korrekt entgegenzutreten. Weil Kleider also Leute machen, verfüge ich, insbesondere seit ich bei den privilegierten Kapitalismusstudenten arbeite, also seit Neustem, über eine Hand voll neuer Kleider. Die sind durchweg mausgrau und manchmal gebügelt. Mausgrau wirkt nämlich irgendwie korrekt (rot schockiert, grün ist unseriös, blau macht blass) und Bügelfalte steht schließlich für Erfolg. Freitags nehmen mich nun also alle ernst, wenn ich durch die Flure klick-klacke und mich grüßen nun Menschen, deren Namen ich sonst nur in geschriebener Form sehe.

Das ist so alles okay und auch ein bisschen lustig. Der Konflikt kam erst Freitag. Mit den Fieberviren schoss mir nämlich ein, dass natürlich auch Körper Leute machen. Alle Dicken sind schließlich träge und dumm, alle Dünnen rastlos und obsessiv, die Pickligen gefrustet, die Alten dement usw. usf. - da haben wir ja ebenfalls eine schön-schmaddrige Schubkarre voller Vorurteile. Körper machen Leute. Und meiner ist jetzt krank! Gerötete Wangen, Klingonen-Nase (hab ich von Anna geklaut das Wort, schön Gruß!), geschwollene Nebenhöhlen, fiebrige Augen – aber was sagt das jetzt über mich aus? Eigentlich ist diese Erkältung nämlich total falsch. Schließlich war ich viel draußen, aß Vitamin an Vitamin, trieb Sport!!! Konflikt...

Fazit: Fitte Körper gibs nich im Laden zu kaufen. Und für den Kampf gegen gängige Vorurteile braucht man einen klaren Kopf.
Und eben keinen ver-vir-ten.

Sonntag, 21. September 2008

ez3kiel

Oh, welch Wonne. Erntge stand auf vom Schreibtisch und ging rein in die Abrisshalle. Achso, war gar nicht Abrisshalle, war Lagerhalle, war Kunst. War im Rahmen des Scopitone-Festivals, das findet immer statt im September. Und wen gab’s? Ez3kiel gab’s und Erntge überlegt sich, mal wieder Groupie zu werden.
Wegen der irrwitzigen Musi, wegen der wahnwitzigen Grafikprojektion UND weil ihr eineinhalb Stunden lang der Mund offen stand und das Knie zuckte. Und dann das andere. Und dann der Kopf. Und dann alles.
Und weil die Guten ihre Bühne noch selbst abbauen. Und so schöne Mädels ausgesucht haben, zum an die Wand projizieren und verzerren. Und auch diese unglaublichen Ballerinas, die alle in den See der Zeichen fallen.
Und weil sie diese enorme Plastekugel ins Publikum geschmissen haben zum mit spielen und kaputtmachen.
Und weil die beiden Schlagzeuger sich wie nur was bebattlet haben. Ja bebattlet. Das kommt von englisch to battle und ist genau was ich mein.
Und weil sie sich das Beste für die Zugabe aufgespart haben, sodass ein jedem die Endorphine hüpften zur Verabschiedung.
Ez3kiel ist toll.
Französischer Elektro, der durch Breite (Schlaflied bis Hardcore) und Präzision (siehe dazu auch deren feinst ausgetüftelte website ) besticht und eines jeden Herz höher schlagen lässt. Das merkt man, wenn man sich beim Konzert kurz die Hand auf den Hals legt und einem der Bass bis ins Knochenmark wummert. Das kann man sich aber auch vorstellen, wenn man sich Hörbeispiel 1 und Hörbeispiel 2 zu Gemüte führt. Wahrhaft, es ist ein Traum.

Donnerstag, 18. September 2008

Hiersein.

Der Pakt mit dem Hiersein ist also aufgegangen. Zeigt sich in einem Alltag, der rast. Ganze Tage vor Studenten, an Computern, zwischen Büros, in Cafés, auf dem Fahrrad, mit vier Projektanträgen in der Hand und eintausend Ideen im Kopf. Die Tage sind voll. Die Nächte sind kurz und ohne Träume. Die Spüle ist kaputt und das Handy auch irgendwie. Das macht aber nix, das hält auf Trab, das hält gesund. Gesund wird es sich bis in den Advent pesen. Und Pausen werden geplant.

Samstag, 6. September 2008

Juliette.

Zwei Monate lang hat sie mich nun angelacht. Vom Zentrum dieses Zimmers aus. In dem der Sommer schlief. Ihr braunes Haar fällt in Locken auf die schmalen Schultern. Die Augen sind umrandet von kleinen Lachfältchen, ganz klein. Ihr Mund ist pure Lebensfreude. Und schön. Juliette hat nur Paris im Kopf, das Zentrum dieser anderen Welt. In der es anders ist. In der mir immer etwas fehlt. Juliette kennt die Zukunft. Steht für Ende und Anfang in einem. Macht es leichter.
Einen Sommer lang habe ich sie mir sehr genau angesehen. Sie lachte mich an. Lachte mich aus. Zwinkerte mir zu. Einmal hab ich nachts ihr Juchzen gehört. Um in Juliettes Welt zu kommen, muss ich Juliette verlassen. Lieber betrachtete ich sie weiter von hier aus...

Freitag, 29. August 2008

Von Klarinettengöttern.

In Rostock wird man oft angenehm überrascht. Will man grad noch mit dem Fuß aufstampfen, da es im einzigen Kulturkino der Stadt keine Karten mehr für den heiß ersehnten Film zu kaufen gibt (AUS-VER-KAUFT!), grinsen als Ausgleich häufig unerwartet andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung um die Ecke. Gestern lugte Giora Feidman. Der nämlich gibt in seiner Funktion als weltberühmter Klarinettist und Vertreter der Klezmer Musik, grad an der Hochschule für Musik und Theater einen Meisterkurs. Und entschied sich am gestrigen Abend zu einem spontanen Nachtkonzert für lau im schönen, alten Gemäuer der HMT. Welch Plaisir für Auge und Ohr!
Film gibs dann morgen.

Donnerstag, 21. August 2008

Brunnenstr. 7

... und die Friese sitzt.

Mittwoch, 20. August 2008

Zwei.

Mit dem Klapprad rappeln wir durch die Stadt. Entlang an der Amstel. Ahh. Drüber über die zahllosen Brücken. Ohh. Und angerempelt wird, wer die Nase bei voller Fahrt zu lang in die Coffeeshopfenster steckt. Autsch! Niederländer verhuren übrigens Häuser. Und stellen sich an offene Mikrofone, auch wenn das anderen im Ohr weh tut. Und sonst? Maoz natürlich.

Montag, 18. August 2008

Amsterdam Eins.

Mit den Erinnerungen an das schönste Freygang Openair des Jahres goes Erntge Amterdam for girlie-action. Die Sonne lässt sich noch bisschen bitten, doch Hit des Tages, neben dem schönen Gespräch über Jesus Christus: Maoz. Das muss man machen. Das ist gut. Das könnte einem fehlen, kennt man's erst und wohnt dann aber wieder fernab.

Donnerstag, 14. August 2008

Das schwere Heute.

Hedonismus kann auch weh tun. Gestern schon ein bisschen. Heute schon ein bisschen mehr. Vielleicht lag’s ja am Wein, vielleicht am Schnaps, vielleicht am „Aaah! Weißt du noch damals!“. Genau. Ich hatte dir die Haare geschnitten, du hattest mir die Haare geschnitten. Und alle Wege standen offen. Und nebenan saßen die Rockstars. Es war lustig. Aber dann ist was verlustig gegangen. Vielleicht die Lust aufs ewige Schielen ins Vergangene,
in das, was nicht mehr ist. Nicht mehr ist.

Vergangenheit adé,
Zukunft o.k.,
Präsens tut weh.

Oder nur Kater? Sowas passiert.
Und nein, der Sommer ist noch nicht vorbei!

Samstag, 2. August 2008

Skandal am Bootshaus!

... und dann torrten die aber hier an und mit der schönen Feierabendruhe war es mit einem Schlag vorbei. Lass es 30 Leute gewesen sein, Kleinkinder dabei, das totale Chaos. Gut, Geburtstagsfeier hin oder her, man kann ja ruhig mal feiern, aber ... welch Umgangston! Welch Gehenlassen! Früher war das alles anders. Manchmal mach ich mir wirklich Sorgen um unsere Jugend. Sicher waren Drogen im Spiel, das ist immer so auf solchen Feiern. Ich sag nur Gitarrengeklimper und so. Bis in die frühen Morgenstunden ging das, und ab 8 gleich weiter. Mein Mann konnte mit seinen Kopfschmerzen natürlich nicht einschlafen. Die ganze Nacht hat er gelitten. Und während der Mittagsruhe standen sie schon wieder auf dem Steg, mit alkoholischen Getränken, .... und unerträglich lauter Hottentottenmusik - und sprangen andauernd ins Wasser. Und zwar mit dem Hinterteil zuerst! Kämpften in unserem sonst so beschaulichen Flüsschen mit diesem lächerlichen grünen Plastekrokodil und grölten! Was nur aus den kleinen Kindern werden soll, frag ich mich. Wo bleibt denn da die Erziehung? Und das Allerschlimmste: als Gunther mit Rasentrimmen fertig war: was haben diese Wilden getan? Laut applaudiert haben sie. Es ist wirklich eine Schande!

Mittwoch, 30. Juli 2008

Paddeln und Fragen.

Kann sein, dasses immer mehr Fragen als Antworten gibt. Warum die Schwanenfamilie sich direkt neben unserem Boot zur Ruhe legen muss zum Beispiel. Fauch fauch. Oder ob man wirklich nich ohne Wegpils durch die Schleuse kommt. Oder ab wann einem vom Kind aufm Zeltplatz rumtragen die Arme abfallen. Das sind so Sachen. Fünf Tage Paddelei auf der Mecklenburger Seenplatte ("Die Mecklenburger Kleinseenplatte ist Teil der Großlandschaft Mecklenburger Seenplatte mit ihrem Vor- und Rückland.") liegen hinter uns, mit grandiosem Wetterchen und einer Handvoll Sternschnuppen. Dennoch ist vieles unklar geblieben: wer ist der Mann im Feld? Wohin stach die Biene? Kommt man für Club-Mate-Nichtkennen wirklich in die Hölle? Und wann kommt es zum ersten öffentlichen Auftritt des begnadeten Gesangsduos "Oben ohne"? ("Unten mit/ Hit im Schritt.") Wir erfahren es vielleicht im nächsten Jahr.


Sonntag, 6. Juli 2008

Bis gleich.

Sonntag, 29. Juni 2008

Eau Boy.

Und da war diese Stadt. Und da war ein Mann und eine Frau. Und auf der Veranda saßen der Mann und die Frau und lachten. Lachten wegen des prallen Kugelbauchs der Frau. Auf den guckten sie und staunten, wann er denn platzen würde. So prall war der Kugelbauch. Grad so als würde er tatsächlich jeden Moment platzen!
Und dann war da der Moment. Floss es nämlich plötzlich hervor unter dem Rock der Frau. Plätscherte erst und rauschte dann und auf dem Weg bis zum Krankenhaus stand schon die halbe Stadt unter Wasser.
Eau Boy war ein zurückhaltendes Kind. Er verschlief seine Kindheit im Gartenbassin und mied überhaupt bald alle Innenräume, entstanden doch überall und sofort, wo er nur saß oder lag oder stand, Pfützen oder Wasserlachen, je nachdem wie lange er blieb.
Eau Boy gewöhnte sich also ans Alleinsein. Er beobachtete seine Lehrerin vom Schulhof aus und war auch nicht traurig, eben nicht oben mit den anderen in der Klasse sitzen zu dürfen. Nur dass seine Liebesbriefe an das Mädchen mit den Sommersprossen nie von Dauer waren, so oft er sie auch schrieb, das fand er ein bisschen traurig. Tinte kennt eben nicht immer Erbarmen.
Das Mädchen mit den Sommersprossen war jedoch sehr geduldig. Einmal setzte es sich zu Eau Boy auf die Treppe. Doch als sie küssten, machte das Mädchen mit den Sommersprossen ein sehr gequältes Gesicht und es fing an, Wasser zu husten und zu prusten. Und dann kam auch schon der Krankenwagen.
Eau Boy vergaß das Mädchen mit den Sommersprossen und fand eine Arbeit an der Tankstelle. So wusch er Autos tagein und tagaus. Bis zu jenem Tag, als er das Auto des Mädchens mit dem Wind im Haar wusch. Das Mädchen mit dem Wind im Haar sah Eau Boy lange an. Und reichte ihm schließlich einen Zettel heraus, den es in wasserfeste Folie eingepackt hatte. Auf diesem Zettel standen Buchstaben und Zahlen. Es war die Adresse des Mädchens mit dem Wind im Haar.
Als Eau Boy genug überlegt hatte, machte er sich auf den Weg zu dem Mädchen mit dem Wind im Haar. Es wohnte auf einem Berg und Eau Boy musste lange marschieren. Je mehr er sich dem Haus auf dem Berg näherte, umso windiger wurde es. Er spürte den lauen Wind auf den Beinen, auf den Armen und im Nacken. Das war ganz wunderbar und als er endlich oben war, bemerkte er, dass seine Hose, sein Hemd und seine Haare getrocknet waren. Die Tür stand offen. Eau Boy trat ein und setzte sich zu dem Mädchen mit dem Wind im Haar.

Woher ich das alles weiß? Na, ich war heute abend beim Kino’ Kabaret Nantes im TNT. Da gab’s Kurzfilme, gedreht in 48 Stunden. Und Musik gab’s auch. Und ich mag Ausgehen in Nantes, weil man hier so oft ganz selig heimfährt, nach einem wunderbaren Abend.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Verhandlung mit Viper.

Erntge goes Kino für Projektpräsentation. Erntge hat noch viel zu lernen... Zum Beispiel wie das nun mit dem Kapitalismus funktioniert. Was ihr nämlich in ihrer kleinen rosa-Welt als „nischenmäßig revolutionär“ erscheinen mag, kann in Sekundenschnelle von den Vipern dieser Welt als „nischenmäßig unspektakulär“ abgewunken werden. Als eben zu nischenmäßig und deshalb unspektakulär: nicht sehenswert, kein Aufsehen erregend. Was kein Aufsehen erregt, bringt kein Geld. Und darum geht es aber. Immer.
Die Viper ist eine Giftschlange. Die ist gefährlich, weil sie so schnell ist und pragmatisch und weil sie mit einem Schlag eine ganze Herzensangelegenheit vergiften kann. Und die liegt dann verkrepelt in der Ecke und stirbt.
Die Viper von gestern allerdings war alt und ein bisschen weise. Vielleicht hat sie schon mehrere verkrüppelte Herzensangelegenheiten auf dem Gewissen. Auf jeden Fall aber hat sie diesen automatischen Mimikry-Schalter, der wird angeknipst und dann wird losgetarnt und losgepost. Und das ist bestimmt auch irgendwie gut und nötig, weil doch auf dem Markt der Stärkere gewinnt, so wie im Tierreich.
Einmal hat die Viper kurz geblinzelt. Da erst hat Erntge das mit der Mimikry richtig geschnallt. Und war nicht mehr ganz so ängstlich. Am Ende ging sie mit einer guten Hand voll Tipps und Kniffs aus der Verhandlung und hat zum Abschied sogar kurz zurückgeblinzelt. Bloß nicht einschüchtern lassen von den Vipern dieser Welt!

Freitag, 20. Juni 2008

Fußball übrigens.

Wer sich nicht bemüht, merkt mitunter nix. Ich bemüh mich ja eher punktuell. Und so gar nicht um Fußball. Da muss schon ein portugiesischer Kollege am Unikopierer böse blinzeln, dass ich mir anfang Fragen zu stellen. Der Portugiese lachte aber zum Glück gleich und erklärte sich und eben mir, dass Deutschland ins Halbfinale gezogen ist. Ah! Und während ich noch überlege, wie man Franzosen unverfänglich den Namen „Schweinsteiger“ übersetzen kann, ist er auch schon wieder weg, der Portugiese, und lässt mich Unwissende zurück mit einem Bücherstapel DEFA-Geschichte. So kann’s gehen.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Marx attacks: DEFA.09

Ich habe eine neue Brille. Sie ist außen braun und innen neongrün. Durch die seh ich jetzt. Vor allem sozialistisch. Die junge Jutta Hoffmann über Schatten springen, Manfred Krug und den lieben Adam Philosophie tanzen, Angelika Waller heiter Hänge hinuntersausen. Im Park rauchen jetzt neben mir Egon Günther und Konrad Wolf. Und Gerhard Klein. Kurt Maetzig hat kein Tabak bei und schnorrt.
Schön, meine neue Brille. Ich werd sie behalten, auch nach unserem Defa-Projekt 2009. Bis dahin schau ich zurück (Das Kaninchen bin ich, Berlin um die Ecke, Wenn du groß bist, lieber Adam, Ehe im Schatten, Sterne, Der Dritte, Karla, Nikolaikirche, Ich war neunzehn, Dein unbekannter Bruder, Spur der Steine, Solo Sunny, Der geteilte Himmel, Die Mauer, Die Architekten, Die Mörder sind unter uns...) und nach vorn (Januar 2009).

Sonntag, 8. Juni 2008

HRO und Darß und überhaupt.

Nun bin ich also wieder in Nantes gelandet und wurde sogar mit einem fernen Feuerwerk begrüßt. (Es erleichtert so ein schwer gewordenes Herz doch um einiges, zu wissen, dass sich grad ein Herr Bregovic zu Feuerwerk in genau der Stadt feiern lässt, in der man soeben angekommen ist.) Tja ja, das schwere Herz. (Scheint übrigens ganz klar an Schönefeld zu liegen, Flughafenallergie oder so, da krich neuerdings immer Kratzehals von.)
Aber was waren das für grandiose zwei Wochen! Kaum zu fassen, wie viel Leben in so wenig Zeit passt. Meine geliebte Ostsee, meine Charmante, Sanfte! Verschmitzt plätschernd in Torfbrücke, berauschend sausend auf dem Darß. Erhofft hab ich mir einen klitzekleinen Diamanten. Geschenkt bekommen habe ich ein funkelndes Glitzermeer. Aufgewacht bin ich zwischen Sonneblumen und meine Frühstückserdbeeren hab ich selbst gepflückt. Hui! Und dabei kommt der richtige Sommer doch erst noch! Es kann der schönste Sommer der Welt werden.

Wien.

Kunst beklettern. Auf der Wiese liegen. Essen essen. Im Rudel sein. Geschenke kriegen. Träne im Knopfloch. Sich trennen. Eine Slowenin. Krepel-Englisch sprechen. Ein sterbender Hund. Iced Cafe Latte. Beirut hören. In den Himmel gucken. Albertina, Heldenplatz, Oper. Pferde streicheln. Flughafendesaster. Vor allem mit Riesenvorfreude im Bauch: Wien fetzt.

Graz aber herzlich.

Da war also das Theater am Lend. Mit grüner Wiese anbei. Auf der brüllten sich auch manchmal schöne, gecastete Hochglanzbroschürenmenschen gegenseitig ins Gesicht. Das vierblättrige Kleeblatt aber, das fanden wir. Und wir waren viele. Vielleicht wirkten wir nach außen hin ein wenig chaotisch. Dafür war alles an uns echt. Singend zogen wir durch die Stadt. Selig starrten wir auf bewegte Leinwände im Stadtpark. Kichernd mampften wir beim Bürgermeister. Und ausgelaugt klapperten wir nach Wien. Überall trafen wir auf freundliche Menschen, die Bett, Dusche, Essbares oder Tatkraft zur Verfügung stellten. ...Na und Paul! Da gab’s diesen blauen Himmel und da gabs’s die Berge und die Mur und das Kunsthaus und das „Exil“ und 35 Grad... aber da gab’s vor allem ein Wir. Und das war das Schönste, was ich je auf einer Theaterbühne sah.

Und die Faxen? Ja, hier:

- eine Grazwanderung machen
- der Wolkengrazer
- Rückgraz haben
- Graz aber herzlich
- aufgegrazt sein
- la Graz matinée
- Grazablanca, as time goes by
- Amazing Graz (how sweet the sound und so weiter)
- Graz à vous... (j’ai passé des super vacances)

Montag, 26. Mai 2008

Die Baustellen:

Bei der ersten geht’s nicht voran. Da liegt dieser Riesenkoloss von Findling, wiegt 3400 Kilo und nirgends ist grad Gerät auffindbar, den wegzuschaffen. Die meisten Kollegen schütteln den Kopf und winken ab. Nur einige wenige nicken mir verhalten zu. Achim zum Beispiel. Der einzige, der immer noch ohne Helm arbeitet. (Irgendwann gibt das Ärger.) Achim hatte mir letztens in der Kantine kurz die Hand auf die Schulter gelegt. „Dranbleiben!“ hat er geflüstert. Die Klempner haben das affig gefunden, aber eigentlich war das genau das, was ich gebraucht hab.

Bei der zweiten geht’s nicht voran. Seit drei Wochen warten wir auf das Material. Komisch, denn mit dem Lieferanten gab’s bisher nie Probleme. Immer pünktlich, immer alles tiptop. Seit fünf Jahren arbeiten wir zusammen. Dietrich hatte was gehört, von wegen Umstrukturierung. Mensch, bisschen Glück wär’ denen ja mal zu wünschen. Trotzdem, wie läuft’s bei uns weiter? Lange können wir jedenfalls nicht mehr warten und hinhalten. Hängen ja nich allein an dem Bau...

Bei der dritten geht’s nicht voran. Die Investoren zögern. Weiß nicht wieso. Eigentlich dacht’ ich, der Auftrag wär’ unter Dach und Fach. Kann mir nicht vorstellen, dass sie zur Konkurrenz gehen. Das Schlimmste was passieren könnt, wär’ wenn sie generell am Projekt zweifeln würden. Denn is man Essig. Heutzutage will eben keiner mehr Risiken eingehen, alle überlegen sich dreimal ob sich’s lohnt und rentiert. So ein Mist, das wär’ echt schade. Ich muss ja zugeben, dass es sich bei diesem Vorhaben um so eine Art Herzensangelegenheit handelt. It wär schon traurig...

Kalle hat mich nun jedenfalls erstmal beurlaubt. Naja, er verkauft’s als Geschäftsreise. Haha. Werd runter mit ihm nach Italien für zwei Wochen und bisschen bei ihm mithelfen. Kalle hat da echt schöne Projekte am Laufen und mal paar andere Baustellen sehen kann ja nicht schaden. Ich kann grad eh nix machen. Dann lieber in die Sonne, fremde Sprache und abends schön Rotwein und Spagetti. Baustellen laufen einem ja nicht weg. Würd’ mich schwer wundern, wenn sich alles geklärt hätt’, wenn ich wieder da bin.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Machen nicht machen?

Sieben Vorteile, sechs Nachteile. Und nicht mal auf den Bauch ist Verlass dieses Mal. Der winkt nur ab: „Ey, kann schön werden, kann scheiße werden.“ Exkurs also. Wie trifft man eigentlich Entscheidungen? Münze werfen? Das Internet ist ja herrlich. Auf den pastellfarbenen Seiten fragt man mich folgendes: - Was wird passieren, wenn’s die falsche Entscheidung war? - Was gibt’s zu verlieren? - Schon mit den Mädels geschnackt? - Liste gemacht? Um mir dann am Ende zu sagen, es gäbe gar keine richtigen Entscheidungen, man müsse em ausprobieren. Na danke. Ach und kanntet Ihr schon das Pareto Prinzip? Das sagt, man kann die meisten Aufgaben mit einem Minimaleinsatz von 20% so erledigen, dass 80% aller Probleme gelöst werden. Zwanzig?? Baby.

Sonntag, 18. Mai 2008

Kofferpacken.

- ein Paar Sandaletten
- das Notizbuch für Beklopptes auf Reisen
- Sonnencreme
- Popo von Die Türen
- Philip und die anderen
- Tabak.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Manchmal besser Wiese.

Manches verstehen wir ja nicht. Auch nicht, was das Gemüt betrifft. (Vor allem das Gemüt.) Aber müssen wir ja auch nicht immer! Socken kommen abhanden, Socken tauchen wieder auf. Wer muss da schon wissen wieso? Da legt man sich besser auf die Wiese. Yeah yeah.

Dienstag, 6. Mai 2008

…it fiept wohl.

…wohl nämlich wie blühend, frisch, munter, selbstverständlich, strotzend und freilich. Seit es täglich fiept, ist mein Leben unendlich reicher und bunter geworden. Dieser Radiosender hat es in sich. Fip (sprich: „fiep“) flüstert und scheppert und kracht und summt und tiriliert. Mischt mutig alles was geht und auch was nicht geht. Macht froh und träumen und entdecken. Und zwar auch jene, die nicht in Paris, Nantes, Montpellier, Bordeaux, also überhaupt gar nicht in Frankreich wohnen.
Übers Internetz nämlich.
Zeit für eine Liebeserklärung:

Fip!
Du bist wohl, nicht übel.
Denn Du machst wohl zu Mute.
Du hast sie alle.
Du bist durchdacht.
Du bist bekannt im ganzen Land.
Bist wohl wohl wohl.
Fip!

Montag, 5. Mai 2008

Veranstaltungshinweis.

Der Dalai Lama kommt nach Nantes. Vom 15.-20. August wird er jeden Tag im Zénith Nantes auftreten. "Ozean der Weisheit" heißt das Programm. Allerdings wird's hier nicht um China gehen, sondern um Buddhistische Lehre. Fünf Tage Exklusiv-Nachhilfe kosten Studenten 130€. Den Public Talk am 15.08. (Titel: Inner Peace - Universal Peace) gibts für nen Zehner. Wen es interessiert, kann sich gern melden wegen Schlafplatz.
Hier klicken für mehr Infos.

Samstag, 3. Mai 2008

Clisson klingeling.

Siehste, Mai hat auch die Nase voll von Regen schon! (Hab ich gar ein Syntaxproblem?) Wunderbar wetterts jedenfalls und deswegen schwung man sich zu dritt aufs Fahrrad heute, um im schönen Clisson so richtig lecker Eis zu essen. Ich hatte Pfirsich-Aprikose und Erdbeer-Cassis. Und es war echt gut. Top Aussichten und nach den knapp 40 Kilometern mehr als angebracht.
Hausaufgabe allerdings für Erntge: Mountainbikeschaltungen verstehen lernen. Denn klappts nächstens vielleicht auch besser mit den Schlammhängen.

Freitag, 2. Mai 2008

Regne Dich frei, Mai!

Essen kann man ja auch drinnen. Vor allem, weil wir ja jetzt wissen wie’s geht. Brunchen, meine Damen und Herren, geht nämlich doch in Nantes! Während also la lutte ouvrière für 5 Minuten verregnet nebenan auf der Straße stattfindet, sitzen wir schön drinnen und mampfen. Oha! (Na wenigstens hab ich rote Socken an.) Fantastisches Mampfen jedenfalls, der Tabl’o Gourmand auf dem Cours de 50 Otages sei hiermit herzhaftst weiterempfohlen. (Man braucht allerdings bisschen Kleingeld.)
Was noch? Achja, Fahrrad reparieren (lassen). Geht auch drinnen. Braucht man auch nicht im Regen machen. Und Kino, ja Kino, doch völlig egal, was draußen für ein Wetter prasselt, wenn es drinnen eine Leinwand zum Raufgucken gibt. Menschen Haare schneiden – auch drinnen. Sich betrinken. Drinnen.
Lieber Mai: Tob Dich aus, mach was draus, schönes Wetter brauch ich erst ab Mittwoch. Machste?

Montag, 28. April 2008

Mecklenburg ist anders.

Ich kenne kein anderes Bundesland, in dem ich so schön angeschnauzt werde, wenn ich die Kassiererin freundlich darauf hinweise, dass sie mich soeben mit dem Wechselgeld beschissen hat. Nirgends sonst würde ich eine Fahrradtour bei 5 Grad Celsius machen. Mit Lagerfeuer anbei. Nur hier gibs meine Älteren in echt und das Neffengetier zum Angucken und Fußballspielen. (Der Indianer stammt übrigens vom Löwen ab, hat er mir neulich fachmännisch erklärt, wegen der spitzen Zähne natürlich, da wurden ja denn die Pfeile draus. Ja, is klar.) In Mecklenburg wohnen Fotografiker, die man treffen kann, um eine Ausstellung nach Frankreich zu holen. Und wird glatt selbst fotografiert dabei. Ich weiß nicht, ob irgendwo anders mehr gemeckert wird, als hier. Und in Mecklenburg gibs die schönste Hansestadt der Welt. Mit Leuchtturm. Und immer trinkt man Bier an der Ostsee (die Schönste) und trifft Menschen über Menschen. Immer alte und immer neue.

Manches kann keiner in Worte fassen. Deshalb gibs Bilder:











Freitag, 11. April 2008

12.-27.04.

... und es wird auch Zeit. Ich bin über mein deutsches Telefon erreichbar und hoff sehr, dass ein paar Tage Hansestadt drin sind.

Mittwoch, 9. April 2008

Der Sultan des Swing.

He hasn't got the action,
he hasn't got the motion,
but hey, that boy can play!

Marc Cnopfler (mit k) ist alt. Und macht Musik für seinen Jahrgang. Weswegen er vor allem vor alten Menschen spielt. Und ich hatte vergessen, dass ein Altmännerpublikum ganz dicht dran ist, am Country. Da beginnt man sich ja im Alter für zu interessieren. Au wei. So war der erste Teil des Abends quasi gelaufen: Erntge schmollt keksemampfend mit Flunsch inne Ecke. Und zwar zu dieser lahmen Altherrencountry-Voract-Katastrophe.
Na und denn kam ja aber auch schon Cnopfler. Er hat keine Haare mehr, aber was er gut kann, ist Gitarre spielen. Bisschen Geduld musste er haben mit den Franzosen... die wussten nicht, dass man bei Gitarrensoli normalerweis nicht mitklatscht, hatten sie aber nach 3/4 des Konzerts verstanden. Gut. Konnt er also zeigen, dass er Profi ist und ehrlich, den Sultan of Swing, ey, den macht ihm keiner nach, auch nicht auf seine alten Tage. Äußere Ergriffness erzeugt innere Ergriffness.
Und übrigens hat Cnopfler genau die gleiche Gitarre wie unser Krongold (sonne rot-weiße.)
Top-Abend, aber nie wieder Stehkonzerte...

Samstag, 5. April 2008

Nanouk, l'Esquimau.

Ciné-concert im Lieblingskino. Genau. Film mit Live-Musi zu. Luxus pur, fürs Auge, fürs Ohr. Und für den Rücken, weil’s im Cinématographen nämlich die bequemsten Sessel der Welt gibt.
Zu sehen gabs „Nanouk, l’Esquimau“, einen Dokumentarstummfilm in Schwarz-Weiß von 1921. Der Regisseur Robert Flaherty zeigt die Welt der Eskimos im Norden Kanadas: also wie eine 5-köpfige Familie plus Hund in ein Faltboot passen, wie man einer Robbe das Fell abzieht, wie man ein Iglu baut, wie man mit sich selbst Schlitten fährt. Na und Eisschollenhopping natürlich.
Zu hören gabs „Bocage“, ein Musikduo aus Nantes, was die beeindruckenden Bilder mit mal fetzigen, mal verträumten Klängen begleitete und später noch auf ein Bier zu haben war.
Mildes und freundliches Nantes.

Donnerstag, 3. April 2008

Was ein Theater!

Hui, dann ist es also schon wieder ein Jahr her... im Universitätstheater rumpelts nämlich grad wieder mächtig zum alljährlichen Festival Universitaire. Viele kleine Ateliers präsentieren noch bis zum 10. April ihre Arbeit des letzten Jahres. Da gabs zum Beispiel schon den „Schaum der Tage“ mitsamt Musike, Pianocktail und Aalen, die sich für die aus Amerika importierte Ananaszahncreme interessieren und dafür den Weg durch den Wasserhahn auf sich nehmen. Und natürlich mit der schönen Chloe und diesem Problem der wachsenden Seerose in ihrer Lunge...
Das aber erzähl ich ja alles nur, um schnittig zum Höhepunkt des Festivals zu kommen: A.C.T.E allemand spielte gestern Abend auf: Werner Schwabs „Reizenden Reigen...“. Und zwar in ausverkauftem Hause. Was für eine Vorstellung. Was für ein Stück. Was für eine Sprache! Der Schwab, der kleine Anarchist: würfelt Worte zusammen wie es ihm passt, macht ganz neue draus, verfremdet krachend die Grammatik und bietet so in seinen Stücken ein schillernd-gewaltiges Feuerwerk von... von... „Schwabisch“ eben.
Das Regiedoppel Krista und Karsten haben in den letzten Monaten Beeindruckendes geleistet. Frischfetziges, das das Publikum, auch aufgrund des fiesen Bauchmuskelkaters seit heute morgen, nicht so schnell vergessen wird. Boah.

Sonntag, 30. März 2008

Hinweis...

...für das Gelingen kontemplativer Freizeitgestaltung.

Man nehme:
1 Packung Buntstifte
1 Ausgabe "Lactaid Dreams. A coloring book by Kozyndan"
1 Hörspiel nach Wahl.
(Zum Beispiel Michael Endes "Unendliche Geschichte".)

Advanced:

Samstag, 22. März 2008

Wende ohne Ende.

Ich bin nicht allein. Jensi, der Robin Hood der Worte (mit Monolog-Generator im Hirn, ohne Strumpfhose am Bein) weilt in Nantes.
Ist, steht und spricht:

"Spanier sind bessere Menschen als englische Telefonzellen."
"Äpfel sind die Partydroge no 1."
"Also eigentlich gibt es nichts Ärmeres als Reiche."
"Ironie wird auch immer beliebter."

So stolpern wir durch die Stadt, essen Falafel, wundern uns über die Misfits-Monroe, treffen Piloten, erfreuen uns an Schwabeskem und achso ... Liebesgeständnisse vom verrückten Spanier. Jensi tut sich eine erinnerungsschwangere Landschaft auf. Eine Erfolgsstory.
Ob er je in die Hansestadt zurückkehren wird?

Die Aussichten: umziehen, Eier färben, Früchtesalat und Meer.

Mittwoch, 19. März 2008

Kapitalismusstudenten.

So sitzen sie und schreiben. Die dumme Frage neben der Frisur, der Sprachfehler neben der Katastrophe. Noch 30 Minuten.
Die Katastrophe hat sich schick gemacht: orange sirent ihr bemaltes Gesicht. Die Haare sind fleckig und mir fällt kein Name für die Farbe ein. "Examen. Hilfe. Hilfe. Hilfe. Hilfe. Hilfe...", tickt es in ihrem Kopf.
Die dumme Frage hat endlich seinen Spicker rausgekramt. Lässig eigentlich. Glückwunsch, das hätte ich nicht so hingekricht. Aber gesehen hab ich's trotzdem. Nur sagen tu ich nix. Es könnte mir nichts egaler sein.
In einem Jahr werde ich sie alle vergessen haben: den Gorilla, den Vertrag, den Alphadackel, die Stulle, das Äffchen, die Frisur. (Die ich vielleicht als einzige hätte mögen können. Irgendwann.) (Wobei... drei Blätter auf ihrem Tisch, obwohl ich doch nur 2 ausgeteilt habe? Die also auch.)
Vergessen werde ich die dumme Frage, den Sprachfehler, Graumaus 1 bis 7, und vor allem die Katastrophe.
Gegenseitiges Hassen. Und endlich ist es vorbei.

Sonntag, 16. März 2008

Marsch blasen.

Jede Nacht Zahnausfall. Eine ganze Hand voll. Bisschen Blut.
Die schmetter ich jetzt alle dem Trübsal in den Rücken.
Zahnhagel. Soll es krepieren.
Dem blas ich den Marsch, dem Scheiß-Trübsal.
Schlag es mit seinen eigenen Waffen.

Samstag, 15. März 2008

Trübsal blasen.

Der Mut wiegt 3,6 Tonnen. Schleppt sich. Nicht mehr.
Er gewinnt keine Misswahl. Höchstens die der traurigsten Missen.
Der Sinn ist milchig. Unklar. Trübe.
Vorschlaghammer ran, abgewrackt, zerkloppt.

(Schwermut.)
(Missmut.)
(Trübsinn.)
(Niedergeschlagen.)

Kopf hängt. Schwanz unauffindbar. Stirn aus 1000 und einer Nacht.
Regen seit 2 Wochen. Monstertapeten.

Sonntag, 9. März 2008

Liebes Tagebuch,

heute früh hatte ich zwei Mückenstiche. Einen auf der rechten Hand. Einen auf dem rechten Arm. Mücke, ey! Ich hab sie natürlich gekillt, die doofe Kuh. Überraschenderweise hat es danach gehagelt. Eimerweise. Ich weiß nicht, wie sowas geht.

Donnerstag, 6. März 2008

Vietnamesen und Umkehrosmose.

Wie der Titel schon sagt: es gab Besuch. Hunkenhonk und Piepenpaul kamen mit 320 km/h ins fantastische Nantes gerauscht (Suncity Nantes), um sich hier die Bäuche und Gemüter voll zu schlagen. Mit Galettes und Crêpes, Feierei, Schnickschnack und einem exklusiven Flaneurworkshop, den sie wahrscheinlich noch Monate später in den Oberschenkeln spüren werden. Yeah! Und das Beste: Piepenpaul bleibt noch bis Samstag, eiert rum und kocht mir „pampe passable“ (im Gegensatz zu „pampe deluxe“), während ich doch die lieben Kleinen in der Uni bespaße. Es ist herrlich!
Hunkenhonk hat auch mächtig was gelernt: ihm ist mittlerweile viel klarer, wie nun die kleinen Vietnamesen den Espresso aus dem Entkoffeinierten kriegen. Genau. Per Umkehrosmose.