Sonntag, 27. Januar 2008

Metropole gongt.

Das kleine Problem, das ich manchmal mit Nantes habe: es möchte mehr sein, als es ist. Andere Städte, wie Rennes zB., haben längst ihre Kleinstädtigkeit akzeptiert und machen das Beste draus. Das hat Flair, das hat Stil, da steppt der Studentenbär. Angers auch, das kleinste Kaff mit Chateau ruht sich entspannt auf seinem Filmfestival aus. Was total ok ist.

Nur Nantes, nur Nantes möchte immer höher und weiter und mehr und noch moderner und tadaaa! METROPOLE! Da zimmern die diesen Zénith hin in Saint Herblain. Da passen 8000 Leute rein. Da machen die Riesengigs, da kommt im April zum Beispiel Herr Knopfler persönlich und spielt einen auf.

Und nun denkt sich der Zénithchef: "Der Mark Knopfler, das super, da kriegen wir voll viel Geld rein!" Und freut sich. Und dann meint aber der Marketingheini: "Da geht noch was!" Und dem Zénithchef fallen auf einmal die ganzen Leute ein, die sich keinen Mark Knopfler live leisten können. "Genau, die Jungen!, die Studenten müssen wir ansprechen!", denkt er sich und gebärt die grandioseste Idee der Welt. Ein Festival!

Einen Tag lang ("nee nee, nich diese wilde Gecampe vor der Tür und diese Randalierer und Gröler. Schön sauber solls sein!"), eine Handvoll Bands (ja wie, eine Hand voll, 30 Bands!") ("...und die dürfen auch noch ihre Freunde mit auf die Bühne bringen!!), Zielgruppe? ("alles. wir wollen alle. alle alle alle!") - also einen Abend lang 80 Musiker und das Ganze für 7€. Klingt doch nach nem tollen Plan. Dass nebenbei das halbe Bier (Bier?) für 4€ und ein Mineralwasser für 3,50€ verkauft wird, das interessiert dann doch keinen mehr, in der Euphorie des Abends, im Zénith... Franzosen finden es legitim für Alkohol zu zahlen, Kultur dagegen soll für alle sein. Aus Mangel an Kreativität wird zum Anlass des Festivals die Eröffnung des Zéniths genommen (klar was sonst, ...und aber zum zweiten Mal schon? - achwas achwas, das machen wir im dritten Jahr wieder so, das merkt gar keiner.)

Gestern war's soweit. Die Bands, sie kamen pünktlich, sie hörten pünktlich auf. Klaktonclown hat leider ganz beschissene Freunde (schreien und stottern gleichzeitig), so dass das Konzert eher mäßig bis lahm war. Mukta hatte sich Orange Blossom bestellt und wer's esotherisch mag, war vor der Bühne genau richtig. HipHop gabs auch, Philemon, aber eben HipHop... Die Rock-Connecte hab ich leider verpasst, weil ich Durst hatte. Die Begrüßung schien meistenfalls einstudiert, viele Bands äußerten sich "irre glücklich", mal im Zénith vor so großem Publikum spielen zu dürfen, erinnerten aber gleich im nächsten Satz daran, dass sie sonst eher auf kleinen Konzerten und Festivals zuhause wären, dass überhaupt die alternative Musikszene in Nantes den Bach runterginge und da hätten sie auch gleich mal ein Lied drüber geschrieben, ja das spielen sie jetzt mal vor. Im Zénith. Hä?

Es gab wenigstens eine schöne Sache gestern Nacht, nämlich den Abschluss des straff durchorganisierten Spektakels: Gong Gong - extrem gelungener Elektro aus Nantes. Hier mal probehören. J'adore. Zwei Schlagzeuger gleich, irre Bühnendeko, bewegliche weiße Projektionsflächen, auf die wirres Visuelles gebeamt wird. Dazu eine Kumpeline mit kurzem Kleidchen, dicken Stiefeln, Nina Hagen in der Stimme und dem Rhyhtmus im Blut. Voll geil.

So und nun? Fazit parat? Anybody?

Montag, 21. Januar 2008

O tempora, o dolor!

Da sitzen 2 mit Weißwein und kratzen sich am Kopf. Was war doch gleich der Unterschied zwischen Perfekt und Präteritum? Öhem! Ganz einfach. Also... ja. Vorzeitigkeit? Scheißbeispiel. Also Rom. Caesar. Veni vidi vici übersetzen die Franzosen im passé composé. Genau, is ja sozusagen das deutsche Präteritum. Perfekt! (Soviel zum Kultivi-e-rtus.) Also „Ich war in Berlin.“ oder „Ich bin in Berlin gewesen.“?
Oder schlümmer: „Gestern war ich im Supermarkt: Da kam ein Mann ohne Hose und ein anderer sagte ihm: Kasseler! Und er kaufte Kasseler.“ Häh? Aber du sollst nicht reden im Präteritum! Du sollst reden perfekt. ...Christin, sollten wir das nich irgendwie genauer wissen?! Das Ganze noch mal: „Gestern bin ich im Supermarkt gewesen. Da ist ein Mann gekommen ohne Hose und ein anderer hat gesagt: Kasseler! Und er hat Kasseler gekauft.“ Klingt auch beschränkt: ist gekommen ohne Hose ... Besser also Präteriten? „Ich goss meine Pflanzen.“ – aber wer sagt denn so was? (Wer gießt denn Pflanzen?) Das Präteritum stirbt und wir schauen tatenlos zu. Noch Wein?

Freitag, 18. Januar 2008

Gegenregenlesen.

"Ich möchte dich hassen, aber ich hasse Kunstleder."
Allein dieser Satz! Erntge kehrt zurück zu den Buchstaben. Besonders wild und wahr und kompakt finden sich deren Kombinationen in Robert Menasses neuem "Don Juan de la Mancha oder die Erziehung der Lust".
Was ein Buch. Wen interessieren denn bitteschön die Regenstrippen vor dem Fenster, wenn es soviel Exkurs und Wahn zu genießen gibt, drinnen, im warmen Daunengewirr! Nathan kann jedenfalls nicht genießen. Er wär gern Freier Radikaler. Auf die Formel des Standesbeamten (Wollen Sie... aus freiem Willen... in guten wie in schlechten Zeiten...) entgegnet er nach langem Überlegen: "Können Sie die Frage bitte wiederholen?" Nathan sehnt sich vor allem nach Normalität, verliebt sich aber in seine Therapeutin. Und in wen noch? Gleich geht's wieder in die Daunen...

Dienstag, 15. Januar 2008

Lieber Wolfgang von.

Und wie hast Du das denn nun gemeint? „Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von schönen Tagen.“ Das ja durchaus ambi! Das klingt ja fast als wär sie schwer gewesen, so 100 Kilo oder so. Das stimmt doch aber gar nicht. Ganz leicht war sie. (Also meine jetzt.) Mild und bunt und direkt und ein bisschen wie schwerelos. Auf jeden Fall die schönste aller Reihen im frischen neuen Jahr. Na das wollt ich Dir jedenfalls sagen, dasses da diese kleine Unklarheit gibt bei Deinem Spruch. Die Reihe von schönen Tagen erträgt sich nämlich keineswegs, im Gegenteil, davon trägt sie einen. Sogar so, dass man sich fragt, ob alles nur geträumt war. Weißt Du Wolfgang, es ist das Danach, das Ärger macht! Aber bestimmt hast Du das auch so gemeint, wärst ja sonst nicht Göt, wie die Franzosen sagen. Nun bist Du ja auch schon tot, aber würden wir zusammen Bier trinken, würde ich Dir sagen, dass Erinnerung auch ein bisschen wie eine warme Decke sein kann.
Und nun, auf auf, zurück in die Realität.

Dienstag, 8. Januar 2008

Blick nach vorn.

Janus. Der mit vorne und hinten, mit Eingang und Ausgang. Hat Order bekomm, nur nach vorne zu kieken. Hinten liegt nämlich das beste Jahr 2007 der Welt. Mit Kawomm und Spraddel und Schmatz und Bingo. Und ganz am Ende schauen Chaos-Kommunikation und geputzter Biberzahn in eine Milchstraße komma die. Bof! 2008 steht jedenfalls unter enormen Erfolgsdruck. Mal sehen, was es bringt. Euch wünsch ich, es möge rauschen, brausen, necken und schmecken. Eure Erntge.