Donnerstag, 23. Oktober 2008

VEGA Großgeldprinzessin.

Die gealterte Großgeldprinzessin Suzanne Vega stellt sich auf die Bühne des Onyx-Würfels und singt mit einer Stimme, die unverändert, ungealtert scheint. Einen Stadtpiraten hat sie dabei und der trägt gelackte Krokdilslederschuhe. Was sie singt ist alt und neu und leicht und jeder Ton kommt Erntge bekannt vor. Suzanne Vega, das ist lange her. Das ist...
Da ließ man sich noch leicht packen, da reichten drei Gitarrennoten und Texte über das ganz große Gefühl. Das war vor dem Progressiven, vor psychedelisch, vor kompliziert, vor ernüchtert, vor skeptisch - das ist lange her. Von ganz fern kommen sie wieder, die Bilder einer heilen Welt, als wir noch fett und rosig waren und noch nicht auf der Hut.
Suzanne Vega ist nicht Tanita Tikaram. Um trotzdem hat Erntge das ganze Konzert über genau die im Kopf. Wieso? Selbe Zeit? Selbe Sprache? Selbe Texte? Selbes Tembre? Genauso weit weg?
Erntge glaubt nicht mehr an Engel, die Bank ist leer.
Auf der Rückfahrt mit dem fremden Mann gibt es Thom Yorke im Radio und Erntge weiß nicht, warum sie das so ungemein beruhigt.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Kofler sehen und Schnaps.

Werner Kofler ist schwer. Werner Kofler versteht man nicht. Wer sich ehrlich bemüht, versteht Werner Kofler ein bisschen. Sein Sprechstück „Tanzcafé Treblinka“, unerhört komplex und erschütternd, geht direkt von den Ohren in den Magen. Der Autor las selbst. Heute Abend im Universitätstheater.
Das Stück ist ein Doppelmonolog, A erinnert sich an die Nazizeit (und die prominente Rolle diverser derzeit hochrangiger Kärtner in Polen), B will von all dem nichts gewusst haben. Nichts mehr wissen wollen. „Aktion Reinhardt?“ – „Beachvolleyball!“.
Es geht also um Nichtwissen. Um Erinnern und Vergessen. Um Nichtwahrhabenwollen. Das ewige Thema ganz neu. Mit einfachen Sätzen, die eine höchst komplexe Welt erklären, scheint Kofler die Quadratur des Kreises gelungen. Zur Uraufführung des Stücks 2001 hat sich übrigens kein einziger offizieller Kärntner Politiker sehen lassen. Nagut, einer von den Grünen war wohl da.
„Tanzcafé Treblinka“ war ein Auftragswerk des Stadttheaters Klagenfurt. Wie es wohl ist, wenn Kofler erst eigens und frei schreibt? Wie viele Bedeutungen gehen in ein Wort? In zwei?
Werner Kofler hat uns versprochen, morgen zu unserem Theaterkurs zu kommen und nach angenehmen Frühstück mit den Studenten an Auszügen des Stücks zu arbeiten. Wir werden sehen ob der König das Versprochene hält.
Hier und da weiterlesen.

Montag, 20. Oktober 2008

Tipp der Woche.

...einfach mal alles umkrempeln. Bei sich zu Hause zum Beispiel. Am besten macht sich das des nachts, wenn sowieso nicht mehr klar ist, wo Realität aufhört und Surrealität anfängt. Idealerweise zwischen zwei und vier.
Bücher, Regale, Drucker, Musikanlage, Schreibtisch, Matratze, Schnickschnack und Klimbim: alles raus und am besten so ineffizient wie möglich im Raum verteilen. Alle Stecker ziehen. Mindestens eine Grünpflanze sollte dabei umkippen. Sich wieder finden im Chaos. Da man sich vor Kram ringsumher eh nicht mehr bewegen kann, am besten hinsetzen, Wein trinken und zu Pink Floyds Relics eine Zigarette rauchen:

Arnold Layne had a strange hobby
Collecting clothes
Moonshine washing line.
They suit him fine.


Und noch einen Schluck.

Emily tries but misunderstands.
She’s often inclined to borrow somebody’s dreams till tomorrow.
There is no other day.
Let’s try it another way.
You’ll lose your mind and play...


Sich nun an die Neugestaltung machen. Jedes Schmuck- und Prachtstück in jeder möglichen Position und Kombination neu anordnen, bitte. Begleitet werden sollte dieser Prozess unbedingt von einem gewissen, rapide einsetzenden Verdruss, da natürlich nix klappen will. Es sollte ein ehrlicher und tiefer Verdruss sein, garniert mit einer Prise Wut. Diese sollte mitschwingen und sich auch vom steigenden Alkoholspiegel im Blut nicht einschüchtern lassen.

...Why can’t we play today?
Why can’t we stay that way?...

Wenn genug blaue Knie vorhanden sind und über genügend Kabel gestolpert wurde, sollte man ohne schlechtes Gewissen feststellen, dass man, betrunken wie man ist, nicht mehr viel reißen wird und ins Bett gehen. Advanced learners träumen dann Flugszenarien, das kann sehr erquicklich sein.
Für den nächsten Morgen sollte genügend Kaffee bereit gestellt werden, um über den Schock des Anblicks der Wohnung hinwegzuhelfen. Hat man dann jedes einzelne Möbelstück und auch das letzte Buch wieder an seinen ursprünglichen Platz gebracht, besteht Anlass zu Jubel, Trubel und Heiterkeit. Sie werden staunen!
(The Nile Song, baby!)

Freitag, 10. Oktober 2008

Autopilot.

Startsignal. An.
Dreimal snooze. Und hoch.
Zähne zuerst, Rest Dusche.
Müsli - Tee - Überschriften scannen.
Raus. Fahrrad. Grün. Rot. Brücke.
Berg hoch. Und rein. (In time.)
Tach Sie!, Tach du!, Hallo!, Na?, Na denn.
Kurs 1, Kurs 2, Kurs 3, Kurs 4.
Kaffee: Jaja, achja, mhm, ganz recht.
Kurs 5, Kurs 6.
Fahrrad. Berg runter. Brücke. Rot. Grün.
Mahlzeit.
Vorbereitung Kurs 7, 8, 9.
Bett.
Startsignal programmieren.
Aus.