Sonntag, 21. Dezember 2008

Let’s go Wintermärchen.

Es wird auch Zeit. Nach dem Konsumterror der letzten Wochen sind Nantes’ Straßen jetzt wie leergefegt. Kein Plingpling mehr zu sehen, kein Tirili mehr zu hören. Alle Freunde haben sich bereits verabschiedet und auch mein Sack ist inzwischen gepackt.
Tschüß Jahr! Diesmal werden wir Dir in Norwegen Beine machen, mit Schneeballschlachten und einer Armee aus Schneemännern und -frauen. Schön war’s: drei Reisen, drei Besucher, drei Konzerte und sechsmal Herzklopfen. Und nun ab zu Mutti und der pompösesten Weihnachtsdekoparade, die ein einzelnes Fensterbrett je zu Gesicht bekommen hat. Weh dem, der keine Heimat hat. Nämlich, wie soll denn der verstehen, warum Erntge so debil grinst bei .... sowas!
Euch allen frohe Feiertage!

Samstag, 20. Dezember 2008

Kinder der digitalen Revolution.

Vom Weihnachtsmann hat sich das Neffengetier dieses Jahr eine Xbox360 gewünscht. Kriegen wird er ein Memory-Spiel mit Fotos von Tieren. Löwe, Gorilla, Zebra und so. Beste Aussichten also auf eine schöne Bescherung.
Xbox360... was ist das überhaupt! Auf Wikipedia preschen mir eine Millionen technische Daten entgegen: Unified Shader-Architektur (jede Pipeline kann Pixel und Vertex-Shader ausführen). Hä? Bei der Verwendung eines VGA-Kabels können keine emulierten Spiele mit 50 Hertz abgespielt werden, sondern nur NTSC-Spiele mit 60 Hertz. Bitte? Anti-Aliasing-Fähigkeiten der Xbox 360? - was soll denn das!
Noch schwindliger wird mir beim Anblick der „erklärenden“ Grafiken. Immer mehr Fragen als Antworten. Ich verstehe nur Bahnhof: was bin ich nur für eine blöde Tante! Hölle! Wie früher, als man für diese steile pinke Anziehpüppi gestorben wär, aber von der doofen Tante doch nur den grauen Kratzpulli bekommen hat.
Der Abgrund tut sich auf: ist das schon der Generationskonflikt? Lebe ich an der Realität vorbei mit meinen schrulligen Filmen aus Ländern, die nicht mehr existieren? Mit meiner blöden Musike, die schon früher keiner kannte und für die sich heute erst recht keiner interessiert?
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich werde dieses analoge Memory-Spiel an den Neffen bringen! Alles werd ich geben und nicht etwa darüber nachdenken, worüber ich mich in 10 Jahren mit ihm unterhalten werde.

Dienstag, 16. Dezember 2008

Die Hand, bitte.

Liebe Brigitte, lieber Philippe.

Gestern hat es mir die Dame in der Agentur gesagt. Unter vier Augen. Ihre fiebrig, meine wütend. Ok, so ist es nun also. Was soll man sagen, was kann man machen. Trick 17 wäre ja akut Glühwein trinken gehen, aber das Flanieren durch Klingeling und Plingpling wird Euch nun bestimmt schmerzlich sein. Macht es doch nur allzu deutlich, wie wichtig uns Familie und Zweisamkeit zu sein haben. Und Ihr seid jetzt zweimal Eins und nicht mehr Zwei. Geht ja auch ok, eigentlich, die Supermärkte bieten einen ganzen bunten Strauß an schillernden Angeboten für Singlehaushalte, mensch seid Ihr jetzt Zielgruppe! Das ist doch was! Da kann man doch!

Eigentlich könnte es mir ja komplett egal sein, dass Ihr Euch getrennt habt. So richtig kenn ich Euch ja auch gar nicht. Nun ist es aber so, dass ... wie sag ich’s... kennt Ihr den mit China und dem Sack Reis? Dass alles immer Folgen hat? Also... die Sache scheint für Euch abgeschlossen, das ist ja auch gut irgendwie, denn es muss ja weitergehen. Nun ist es aber so... also wenn Ihr mal scharf nachdenkt, dann erinnert Ihr Euch bestimmt an dieses muchtige Haus, das Ihr mal zusammen gekauft habt. Ja? Richtig, Nähe Erdre, Saint-Donatien und so.

Also da wohn ich drin, ganz oben unterm Dach. Und auch wenn Ihr grad andere Sachen im Kopf habt: es läuft nicht so gut... eher suboptimal, also... es regnet. In der Wohnung. Im Bad. Aus dem verschimmelten Holzbalken. Der nämlich ständig und verquollen unter Wasser steht, weil’s aus dem Velux tropft. Anfangs ging’s, da tropfte es minütlich ins Waschbecken, ganz easy. Inzwischen tropft’s aber sekündlich überall hin, nur nicht ins Waschbecken. Und ich hab nun mächtig Stress mit dem Platzieren der Schüsseln andauernd. Das nervt.
Die Spüle auch, irgendwie nich original wie das Wasser überall raustropft, nur nicht aus dem Wasserhahn. (Unter uns, es fehlt mir eigentlich auch an Schüsseln.)
Von den anderen Fenstern will ich nicht schon wieder anfangen... das wisst Ihr ja, dass „Fenster“ hier Euphemismus ist. Versprechen soll man ja eigentlich halten, aber ey, für nur 400€ Miete im Monat sitz ich auch gern in fünf Klamottenschichten im Poengsessel. Und versuch zu lesen. Was angenehmer wäre, wenn mir nicht so die Haare vom Wind flattern würden, leider hält auch keine Kerze durch, so pfeift’s. Ach, hatte ich erzählt, dass ich im Schlafzimmer sehen kann, wie ich atme?

Kurz und gut. Ihr seid nicht mehr zusammen. Euch ist grad nichts egaler als diese gemeinsame Altlast, die Ihr nicht mit in Euer neues Leben wuchten möchtet. Deshalb ignoriert Ihr auch seit Monaten meine Beschwerdebriefe. Ein bisschen versteh ich das ja. Aber Eure gemeinsame Altlast ist nun mal mein Zuhause und die Agentur kann nix ohne Euer Einverständnis machen. Und Verbraucherschutz und Tribunal.... na ja, ich hab da diese Retrospektive laufen und eigentlich keine Zeit dafür und für Euch wäre das ja auch eher stressig. Also: mir zuliebe, gebt Euch die Hand und macht mal was, ja?

Sonntag, 14. Dezember 2008

Schoki statt Schinken.

Ja. Auch hier. Nantes hat einen Weihnachtsmarkt. Auf dem waren wir und haben mit Entzücken festgestellt, dass der Glühwein auf der Place Royale eben nicht nach Anis schmeckt. Deshalb gab's davon auch gleich mehrere. Einziger Trost auch, wie soll man sonst die Reiseberichte derer ertragen, die grad durch die Karibik schippern oder sich an den Stränden Cambodias aalen? Im Bikini?? Eben. Klirrt’s draußen, muss von innen durchgeglüht werden. Das ganz einfach. Übrigens geht Weihnachtsmarkt hier sehr gesittet zu, kein Kid schmeißt Vorsilvesterböller unter Muttis Rock und erbitterte Meterbratwurstkämpfe sucht man hier vergebens. Naja. Mein Favorit des Abends war auf jeden Fall ... jaja, längst erraten ...
Aber echt ey, guckt doch man hin!

Samstag, 6. Dezember 2008

schaffbar, machbar, los!

Erntgo ist wieder da! Hatte sich ja leicht ausknocken lassen vom Arschloch Fiebervirus und war kurz abgetaucht. Aber nun, vorbei vorbei, Erntmaschin is wieder busy. Und gleich total ausgebucht. Wie das geht! Für alle, die es noch nicht wissen: wir planen hier das ganz große Ding. Kein Scheiß. Nantes wird einen Kultur-Januar erleben, der an Schmackig- und Fetzigkeit vergeblich seinesgleichen suchen wird. Es ist der helle Wahnsinn. Wirklich. Seit März basteln wir nun schon und binden Schleifchen. Eine DEFA-Retrospektive soll es werden. - Wird's. Es ist tatsächlich ein Projekt zum Verlieben und ich sag Euch auch warum:
1. Es ist unsers! Unsere Verantwortung, unsere Ideen, unsere Energien, unser Fleiß, unsere zuen Wochenenden, unser Ärger, unser Herzblut steckt da drin. Was selbst auf die Beine zu stellen, das ist überhaupt der Oberknüller.
2. Man glaubt an uns. Europäische Union und Deutsche Botschaft, die Uni und die Stadt Nantes glauben doch echt an unsere Idee und haben uns ganz feierlich einen Koffer voller Scheine überreicht. Echte. Ganz große Augen!
3. Wir haben Verbündete. Unsere Kumpels sind nämlich überhaupt die besten. Und die können alle so schöne Sachen! Über Ideologie und Subversives in DEFA-Märchenfilmen reden, zum Beispiel. Oder professionell Pressecommuniquées schreiben. Oder Fotos machen und entwickeln. Oder Webseiten bauen. Oder dolmetschen. Das Tollste: die meisten konnten wir unterbringen im Projekt, sogar für Geld.
4. Wir machen Sinn. Weil wir gelernt haben, dass es nicht nur gut ist, zu machen, sondern auch Machbares weiterzugeben, geben wir also alles was wir wissen weiter. An Kulturmanagement-Studenten der Universität. Die lernen nämlich zeitgleich in Ateliers und Workshops, wie man Fotos, Flyer und Webseiten macht und effektiv nutzt, wie man mit Journalisten kommuniziert und am Ende selbst so ein Kulturprojekt auf die Beine stellen kann. Transparenz finden wir nämlich total wichtig. Und die Studis finden das gut und aktualisieren uns zum Ausgleich französische Untertitel von zwei Filmen, deren französische Untertitel dringend aktualisiert werden müssen. Unter professioneller Anleitung einer Traductologie-Spezialistin, versteht sich. Netzwerke sind super.
5. Alle machen mit. So haben wir also ein Programm von 10 DEFA-Filmen zusammengestellt, die vom 7.-25. Januar 2009 im angesagtesten Kino Nantes' gezeigt werden. Alle sind begeistert. So kommt's, dass fast jede Projektion von einer Intervention begleitet werden wird! Der Historiker Cyril BUFFET (hat übrigens letztes Jahr ein Buch zur DEFA-Geschichte veröffentlicht: Défunte DEFA - L'autre cinéma allemand) und Caroline MOINE (DEFA-Spezialistin und Expertin für Dokumentarfilm) werden kommen und uns und dem Publikum Rede und Antwort stehen zu Zensur, Kahlschlagplenum, Frauenrolle und Antifaschismus in der DEFA-Produktion. Das ist fantastisch! Zudem kommen Peter Kahane, Thomas Plenert und (wenn er dann noch lebt) Jürgen Böttcher alias Strawalde. Die über ihre Zeit bei der DEFA sprechen werden, Zeitzeugen zum Anfassen.
6. Wir sind berühmt. Da melden sich nämlich plötzlich Leute, die gern ein Praktikum bei uns machen möchten. Wow! Woher wissen die?
Und deswegen ist Erntgo busy: Hüftaufschwung aufs Fahrrad jetzt also und ab zum Praktikantenbriefing, ja so heißt das. Natürlich lecker beim Apéro, sind ja schließlich in Frankreich! Die nächsten Wochen werden fliegen und es gibt ja kaum Schöneres als verdiente Ferien zu Weihnachten. Yeah!

Montag, 1. Dezember 2008

Und in Italien:

"Die italienische Linke ist tot.
Mausetot.
Miau.
Die Strassen sind voller Kapitalismus, Geldverdienen und zeigen, dass man es hat, ist an jeder Strassenecke die Devise. Nein, links ist hier bloss noch der Knopf an den Armani-Frauenhosen..."

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Aus unserer Reihe "Andere habens auch nicht leicht" heute der Auszug eines Berichts des besten Erasmusstudenten wo gibt: Jensi. Zur Erinnerung: Jensi bestritt sein Erasmusjahrzehnt mit Hilfe von ECTS-Punkten für gemeinsames Joggen an der Erdre, mischte allesamten französischen Ausspracheregeln auf, monologisierte bevorzugt im Stehen, improvisierte auch da, wo es nicht ging. Junge, komm bald wieder.