Ja und auf einmal ist man ganz erstaunt, was auf der Straße passiert, während man sich auf lahmen dreistündigen Institutsversammlungen verbal im Kreis dreht. Allen geht es um den Streik und es gibt immer die, die machen und die, die verantworten. Und müssen. (Und natürlich die, die heucheln, und die, die anderen heucheln vorwerfen.) Und viel lieber wär ich gestern mit auf der Straße gewesen: hätt mich auch gern als Sarko verkleidet, na oder als Valérie und hätt dann schön mitgebrüllt bei den Slogans "Männer in den Betrieb, Frauen an den Herd!" oder "Studienhilfestudent - geh doch zurück in dein Wohnheim!" und "Weniger Hippies - mehr Schirmmützen!" (das flutscht im Deutschen natürlich nicht so wie im Französischen, is klar.) Mitunter werden auch "Vorlesungen" in Fleischereien organisiert, das wär ja eigentlich auch was für mich. Bisschen Zeit zum Überlegen für solcherlei Aktion bleibt wohl noch, denn obwohl die 1000 Stellen nun offiziell nicht gestrichen werden (Hui, ein Versprechen!), zumindest nicht bis 2011, bleiben doch genug offene Fragen bei Unipersonal und Studenten, auf die das Ministerium erstmal antworten muss. Die nächste Vollversammlung ist Montag.
Freitag, 27. Februar 2009
"Arme arbeitet, Reiche gebt aus!"
Ja und auf einmal ist man ganz erstaunt, was auf der Straße passiert, während man sich auf lahmen dreistündigen Institutsversammlungen verbal im Kreis dreht. Allen geht es um den Streik und es gibt immer die, die machen und die, die verantworten. Und müssen. (Und natürlich die, die heucheln, und die, die anderen heucheln vorwerfen.) Und viel lieber wär ich gestern mit auf der Straße gewesen: hätt mich auch gern als Sarko verkleidet, na oder als Valérie und hätt dann schön mitgebrüllt bei den Slogans "Männer in den Betrieb, Frauen an den Herd!" oder "Studienhilfestudent - geh doch zurück in dein Wohnheim!" und "Weniger Hippies - mehr Schirmmützen!" (das flutscht im Deutschen natürlich nicht so wie im Französischen, is klar.) Mitunter werden auch "Vorlesungen" in Fleischereien organisiert, das wär ja eigentlich auch was für mich. Bisschen Zeit zum Überlegen für solcherlei Aktion bleibt wohl noch, denn obwohl die 1000 Stellen nun offiziell nicht gestrichen werden (Hui, ein Versprechen!), zumindest nicht bis 2011, bleiben doch genug offene Fragen bei Unipersonal und Studenten, auf die das Ministerium erstmal antworten muss. Die nächste Vollversammlung ist Montag.
Sonntag, 22. Februar 2009
Oder Winter! Aber richtig.
Dienstag, 10. Februar 2009
Lieber Sommer,
Wir bringen die doofe Winterjacke zum Roten Kreuz, essen zusammen Eis und spucken in die Erdre. Komm schon, ist gut! Platz ist genug, auf’s Fahrrad passen wir beide. Ist okay, wir müssen nachts nicht schlafen. Wir legen uns auf die Wiese und lassen uns morgens von den Enten auslachen. Das wär doch was. Machste?
Achso. Und allen, die grad nicht im Affekt schwanger werden, hilft vielleicht DAS. (Der am Keyboard unterrichtet angeblich Mathematik.):
A: Il neige dehors.
B: Ah oui, c'est vrai, carrément.
A: ... comme à Venise.
B: oui.
A+B: Les colères, les ennuis, les misères, les soucis, les faillites, les échecs, les relèves, les fiasci, les disputes, les divorces, peu importe, moi je dis: l'important dans tout ça, c'est la dolce vita. L'important, tu verras, c'est la dolce vita!
Samstag, 7. Februar 2009
Schrein und Flüstern.
Dann wurde geflüstert. Na und trompetet und gepaukt. Und geklampft und gesungen. Georgelt! Ein Cello gabs auch. Und ein Saxophon. Ja! Im Olympic gab’s heut Nacht die Tindersticks, die guten, die besten. Ich dacht ja immer, allein mit einer Flasche Wein und den Tindersticks wär der Abgrund. Jetzt weiß ich: auch unter vielen und mit Bier und den Tindersticks ist der Abgrund: das halbe Konzert durchgeflennt! Mann! Was soll man aber auch machen. Wer bei Stuart Staples Stimme keine weichen Knie bekommt, der... na der hat dann wohl n anderen Abgrund.
Freitag, 6. Februar 2009
Position des U.F.R. de Langues.
In einer Vollversammlung positionierte sich gestern auch das Personal des Fachbereichs Sprachen. Einstimmig hatte es sich der Coordination Nationale des Universités und deren Beschlüssen vom 2. Februar angeschlossen: Verweigerung der geplanten Reform im Bereich Ausbildung und Concours für Lehrende in ihrem aktuellen Zustand; Antrag auf Rücknahme des Gesetzes zum Status der enseignants-chercheurs, Verurteilung des Stellenabbaus an französischen Universitäten (1000 Posten werden gestrichen).
Die anvisierten Reformen seien nicht tragbar: sie würden Forschung und Lehre schwächen, das Personal in prekäre Lebenssituationen treiben, Ungleichheiten schüren und bewusst die öffentliche Funktion der Universität in Frage stellen und zerstören. Um dem Protest mehr Ausdruck zu verleihen und Druckmittel zu schaffen, hat das U.F.R. de Langues gestern Folgendes entschieden:
- die Examensnoten werden nicht an die Verwaltung weitergeleitet
- es beteiligt sich weiter an der aktuellen Mobilisation, auch in Zukunft
- die Fakultät verweigert die orientation active bei den Gymnasiasten (jeder Fachbereich soll neuerdings seine zukünftigen Studenten bereits in der Schule und selbst anwerben, ein Vorhaben, bei dem kleine Institute natürlich nur verlieren können, da hilft auch Tokyo Hotel nicht.)
Werden diese Forderungen vom Ministerium nicht erfüllt, wird der Behördenstreik weitergeführt und (und jetzt kommts!) ab 23. Februar 2009 werden kollektiv sonst alle Verwaltungsverantwortungen des U.F.R. de Langues gekündigt. Hui. Hier wird’s nun doch ernst. Schließlich wird auch noch gedroht, den Vorsitz der Abiturprüfungskommissionen 2009 zu verweigern.
Es brodelt also vor sich hin. 46 Universitäten machen so Druck auf die Regierung. Druck, der wichtig ist, denn der Präsident der Republik zog sich gestern sehr galant und eloquent aus der Affäre: 90 Minuten sollte er sich live den Fragen von 4 Journalisten stellen, mit dem großen Ziel, die Franzosen zu beruhigen. Beantwortet hat er die Fragen jedoch nie direkt, das Thema des Universitätsprotests war ihm eine ganze Minute wert.
Die anvisierten Reformen seien nicht tragbar: sie würden Forschung und Lehre schwächen, das Personal in prekäre Lebenssituationen treiben, Ungleichheiten schüren und bewusst die öffentliche Funktion der Universität in Frage stellen und zerstören. Um dem Protest mehr Ausdruck zu verleihen und Druckmittel zu schaffen, hat das U.F.R. de Langues gestern Folgendes entschieden:
- die Examensnoten werden nicht an die Verwaltung weitergeleitet
- es beteiligt sich weiter an der aktuellen Mobilisation, auch in Zukunft
- die Fakultät verweigert die orientation active bei den Gymnasiasten (jeder Fachbereich soll neuerdings seine zukünftigen Studenten bereits in der Schule und selbst anwerben, ein Vorhaben, bei dem kleine Institute natürlich nur verlieren können, da hilft auch Tokyo Hotel nicht.)
Werden diese Forderungen vom Ministerium nicht erfüllt, wird der Behördenstreik weitergeführt und (und jetzt kommts!) ab 23. Februar 2009 werden kollektiv sonst alle Verwaltungsverantwortungen des U.F.R. de Langues gekündigt. Hui. Hier wird’s nun doch ernst. Schließlich wird auch noch gedroht, den Vorsitz der Abiturprüfungskommissionen 2009 zu verweigern.
Es brodelt also vor sich hin. 46 Universitäten machen so Druck auf die Regierung. Druck, der wichtig ist, denn der Präsident der Republik zog sich gestern sehr galant und eloquent aus der Affäre: 90 Minuten sollte er sich live den Fragen von 4 Journalisten stellen, mit dem großen Ziel, die Franzosen zu beruhigen. Beantwortet hat er die Fragen jedoch nie direkt, das Thema des Universitätsprotests war ihm eine ganze Minute wert.
Wagen ja! Was?
Mittwoch, 4. Februar 2009
Forschung retten! Uni zu!
Und warum also das Ganze: letzten Donnerstag streikte Frankreich bereits national und general. Grundsätzlich alle gegen alles. Das wird sich Freitag und nächsten Dienstag wiederholen. Das Universitätspersonal insbesondere streikt gegen das im November 2008 verabschiedete „Loi Précresse“. Frau Précresse ist die Ministerin für Hochschulbildung und Forschung in Frankreich und entschied, salopp gesagt: wer nicht forscht, muss mehr unterrichten. Nämlich 16 statt 8 Wochenstunden. Das hagelte natürlich Kritik von Seiten der enseignants-chercheurs: wo bliebe denn hier bitte die Forschungsunabhängigkeit. Wir wissen: Forschung ist Politik und fragen: seit wann bestimmt Quantität Qualität. Außerdem würde dadurch eine Konkurrenzsituation unter den Kollegen kreiert, die doch besser zusammenarbeiten sollten, als sich garstig gegenseitig auszustechen. Die Augen zum Beispiel. Ein weiteres Problem: die Kontrolle durch das Ministerium. Wer bestimmt Forschungsbedarf? Wer Forschungsqualität? Wie denn? Hier dachte auch Valérie Précresse noch mal nach und veröffentlichte Ende Januar einen Erklärungsbrief mit Änderungen des Gesetzes: ein enseignant-chercheur „muss“ nun wöchentlich zwischen 8 und 13 Stunden forschen. Die Evaluierung seiner Lehre und Forschung übernimmt alle 4 Jahre die CNU, Leute vom Fach. Außerdem wird die Universität nunmehr aufgefordert, eine Liste mit den Forschungspublikationen zu veröffentlichen.
Diese Änderungen gehen den Lehrenden an der Universität natürlich nicht weit genug. Deshalb streiken sie oder veranstalten Vollversammlungen. Tatkräftig unterstützt von den Studenten – ab morgen mit Blockade wie gesagt.
Wenn man nur nicht so den Eindruck hätte, dass die meisten Studenten überhaupt nicht wissen worum es geht! Wenn man nur die Studenten aus dem Kopf bekäme, die während ihres Studiums bereits die Hälfte ihrer Seminare durch Streik verpasst haben und für die man nun „Mogelkurse“ mit „Mogelexamen“ kreiert! Wenn man nur mehr betroffen wäre. Oder weniger. Schwer, sich hier eine Meinung zu bilden. Auch, wenn man bedenkt, dass sich einige Kollegen eigentlich keinen Streik „leisten“ können, geht doch pro Streiktag eindreißigstel ihres Monatsgehalts flöten.
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