Zum Glück bestimmte den Rest des Abends ein entpannterer Charakter. Über 50 war der, hatte Lachfältchen und ein Leinenhemd an. Der stellte sich auch gar nicht erst vor, sondern begann direkt über seine Tantra-Workshops zu berichten. Was da so geht, Energie und so, und dass das mit seiner Frau zusammen nich so gut geht, getrennt voneinander aber schon und wo die sexuelle Energie herkommt und wie die an einigen Punkten des Körpers gebündelt wird und wie das alles einen verändert und man schließlich über den Haufen wirft, was man über Männer und Frauen weiß. Oha! Und auch wenn Erntge nicht viel mit Esoterik anfangen kann, hat ihr der Opi gut gefallen, weil der ganz sanft war und immer lächelte.
Und nun denkt Erntge Erwachsene haben voll Angst vorm Alleinsein. Das wird entweder als unglaublich negativ empfunden und krampfhaft vermieden („Bei unserem letzten OVS-Abend waren wir 86 Leute!!! Die mussten für uns zusätzlich Stühle auf die Terrasse bringen!“). Oder aber es wird als Fehlverhalten zu korrigieren versucht und als Weiterentwicklung verkauft („Ich hab an mir gearbeitet, dank Biodanza kann ich jetzt viel besser mit Menschen umgehen... ich bin da jetzt echt viel weiter. Es ist großartig!“).
Und Erntge fragt sich, warum keiner glücklich ist mit dem, was er/sie/es ist und vor allem warum sie an diesem Abend kaum mit der netten Person gesprochen hat.
4 Kommentare:
ha, wenn diese OVD-menschen mal wirklich freunde brauchen, dann werden sie sehr plötzlich sehr einsam sein. wie kann es denn wichtiger sein WIEVIELE leute zu deiner party kommen als WER da kommt?!
da bin ich mal wieder ganz deiner meinung, liebe erntge
die suse hat's übrigens gesagt...
Sehr schöner Eintrag. Sowas denke ich auch dauernd. Kann doch nicht alles sein so ständig auszugehen und wie schon treffend bemerkt eh immer das Gleiche zu fremden Menschen zu sagen und immer das gleiche zu hören. Bin ich jetzt spießig weil ich auch mal gern allein auf dem Balkon Sonne und Wolken anschaue und glücklich bin? (Zu zweit geht es auch!) (Oder aber mit Zeitung und Frühstück.)
hui, soviel zuspruch! dabei hatte ich mich schon bisschen geschämt. sind schließlich nicht alle so privilegiert in sozialem. und is ja auch kaum was nachvollziehbarer als die suche nach anschluss/distraktion/freundschaft und/oder liebe wenn man allein ist. ich zieh hiermit also feierlich eine prise dollität aus meiner verurteilung solcher foren zurück und erkenne deren teilweise sinnvölle an.
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